Als Arbeitsuchender ein Berufsbildungspraktikum absolvieren

Um Arbeitsuchenden die Möglichkeit zu geben, den Arbeitgebern konkret ihre Kompetenzen und Fähigkeiten zu zeigen, und um ihnen den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen, kann die Arbeitsagentur (Agence pour le développement de l'emploi - ADEM) Arbeitsuchenden unter gewissen Voraussetzungen anbieten, ein Berufsbildungspraktikum (stage de professionnalisation) zu absolvieren.

Folgende Personen sind betroffen:  

  • Arbeitsuchende, die mindestens 30 Jahre alt sind;
  • Arbeitnehmer mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit;
  • behinderte Arbeitnehmer.

Ziel eines solchen Praktikums ist, dass der Arbeitsuchende dem Arbeitgeber konkret seine Kompetenzen und Fähigkeiten zeigen kann.

Das Praktikum dauert 6 Wochen.

Zielgruppe

Folgenden Arbeitsuchenden kann von der Arbeitsagentur ein Berufsbildungspraktikum angeboten werden:

Unternehmen, die einem Arbeitsuchenden ein Berufsbildungspraktikum anbieten möchten, müssen ihm nach Ablauf des Praktikums eine reale Beschäftigungsperspektive bieten können.

Voraussetzungen

Um ein solches Praktikum absolvieren zu können, muss der Arbeitsuchende seit mindestens einem Monat bei der Arbeitsagentur gemeldet sein.

Vorgehensweise und Details

Praktikumsangebot

Arbeitgeber, die bereit sind, einen Praktikanten aufzunehmen, sollten Kontakt mit dem Arbeitgeberservice der ADEM (Service employeurs) aufnehmen und die freie Stelle melden.

Arbeitsuchende können ein von der ADEM vorgeschlagenes Berufsbildungspraktikum nicht ohne anerkannten Grund ablehnen (Beispiel für einen solchen Grund: Das Praktikum entspricht nicht den Kriterien einer angemessenen Beschäftigung), da ansonsten die gesetzlich vorgesehenen Sanktionen drohen.

Dauer des Praktikums

Das Praktikum dauert höchstens 6 Wochen.

Bei Personen, die als hochqualifiziert angesehen werden, d. h. die mindestens 3 Jahre erfolgreich studiert haben (Bac +3), kann die Dauer des Praktikums auf 9 Wochen verlängert werden, sofern die Stelle ihren Qualifikationen entspricht.

Ablauf des Praktikums

Zwischen dem Arbeitsuchenden, dem Arbeitgeber und der ADEM wird eine Praktikumsvereinbarung geschlossen.

Der Arbeitgeber bestimmt einen Tutor, der den Arbeitsuchenden während der gesamten Dauer des Praktikums betreut.

Ein solches Praktikum ist für den Arbeitsuchenden die Gelegenheit, seine berufliche Erfahrung zur Geltung zu bringen und dem Arbeitgeber seine Kompetenzen und Fähigkeiten zu zeigen.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die ADEM während der Dauer des Praktikums über sämtliche Änderungen zu informieren (per Telefon, Fax, E-Mail, Post).

Der Arbeitsuchende hat während der Dauer des Praktikums Anspruch auf 2 Urlaubstage pro Monat.

Praktikumsvergütung

Beim Berufsbildungspraktikum handelt es sich um ein nicht vergütetes Praktikum.

Der Praktikant erhält jedoch von der Arbeitsagentur eine Praktikumsvergütung in Höhe von 41,67 Euro/Monat (Index 100) oder von 339,36 Euro (Index 814,40). Hierfür muss der Arbeitgeber dem Arbeitgeberservice der ADEM jeden Monat eine entsprechende Anwesenheitsmeldung übermitteln.

Arbeitsuchende, die Arbeitslosengeld, eine Übergangsvergütung, eine berufliche Übergangsvergütung, eine berufliche Übergangsrente oder das Einkommen für schwerbehinderte Personen beziehen, erhalten diese während der Dauer des Praktikums weiter.

Während des Praktikums ist der Arbeitsuchende gegen Arbeitsunfälle versichert. Die entsprechenden Beiträge werden vom Beschäftigungsfonds (Fonds pour l'emploi) übernommen.

Ende des Praktikums

Der Arbeitgeber informiert die ADEM schriftlich über die Eingliederungsmöglichkeiten des Arbeitsuchenden im Unternehmen.

Der Arbeitsuchende wird eingestellt

Wenn der Arbeitsuchende anhand eines unbefristeten oder befristeten Arbeitsvertrags im Unternehmen eingestellt wird, ist die Dauer des Praktikums von einer etwaigen Probezeit in Abzug zu bringen.

Sofern der Arbeitsuchende die verschiedenen Voraussetzungen erfüllt, kann er außerdem die Wiedereingliederungshilfe beantragen.

Wird der Praktikant am Ende des Praktikums anhand eines unbefristeten Arbeitsvertrags in Vollzeit eingestellt, kann sich der Arbeitgeber auf einen an die ADEM gerichteten Antrag hin während der 12 Monate nach der Einstellung 50 % des sozialen Mindestlohns für nicht qualifizierte Arbeitnehmer erstatten lassen. Wird er anhand eines unbefristeten Vertrags in Teilzeit eingestellt, wird die Erstattung anteilmäßig zur Arbeitszeit berechnet.

Der Erstattungsantrag kann frühestens 12 Monate nach Einstellung des Praktikanten gestellt werden. Die Erstattung erfolgt hingegen nur, wenn der ehemalige Praktikant zum Zeitpunkt der Antragstellung noch unter Vertrag ist und die Dauer des Praktikums von der im Arbeitsvertrag vorgesehenen Probezeit in Abzug gebracht wurde.

Dem Praktikanten kann im Anschluss an das Praktikum auch ein 12-monatiger Wiedereingliederungsvertrag (contrat de réinsertion-emploi) angeboten werden (die Dauer des Berufsbildungspraktikums wird auf die 12 Monate angerechnet).

Hinweis: Die Erstattung ist mit anderen Beihilfen kumulierbar, wobei der soziale Mindestlohn für nicht qualifizierte Arbeitnehmer als Obergrenze gilt.

Der Arbeitsuchende wird nicht eingestellt

Wird der Arbeitsuchende nicht eingestellt, muss der Arbeitgeber die ADEM schriftlich über die während der Dauer des Praktikums erworbenen Kenntnisse und über eventuell festgestellte Defizite informieren.

In diesem Fall sollte der Arbeitsuchende seinen individuellen Berufsberater bei der ADEM kontaktieren, um weitere Maßnahmen festzulegen.

Wird der Arbeitssuchende nicht eingestellt, wird sein Anrecht auf Arbeitslosengeld bei Vollarbeitslosigkeit um die tatsächliche Dauer des Berufsbildungspraktikums verlängert.

Formulare/Online-Dienste

Stage de professionnalisation - relevé de présence

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