Die Führerscheinprüfung ablegen

Wer einen Führerschein erwerben möchte, muss sich – unabhängig von der Klasse – zunächst an eine in Luxemburg zugelassene Fahrschule wenden, die den entsprechenden Antrag an die zuständige Stelle weiterleitet.

Die für den Führerscheinerwerb erforderlichen Schritte und Voraussetzungen, insbesondere das Mindestalter (16 bis 21 Jahre), unterscheiden sich je nach Klasse.

Um einen Führerschein zu bekommen, muss der Führerscheinanwärter eine mindestens 12-stündige (6 Stunden, wenn der Anwärter bereits einen Führerschein einer anderen Klasse besitzt) theoretische Ausbildung absolvieren, in der die allgemeinen Verkehrsregeln und die Besonderheiten der beantragten Führerscheinklasse behandelt werden.

Die theoretische Ausbildung wird durch eine praktische Ausbildung ergänzt, deren Dauer von der beantragten Führerscheinklasse und vom Fahrvermögen des Anwärters abhängt. Besitzt der Fahrschüler bereits einen Führerschein einer anderen Klasse, kann sich dies ebenfalls auf die Dauer der praktischen Fahrausbildung auswirken.

Zielgruppe

Die praktische Fahrprüfung zum Führerscheinerwerb kann jede Person ablegen, die:

  • das Mindestalter erreicht hat, d. h.:
    • 16 Jahre für die Führerscheinklassen AM (Kleinkrafträder und vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge), A1 (Leichtkrafträder und dreirädrige Kraftfahrzeuge mit einer Motorleistung von bis zu 15 kW) und F (Traktoren);
    • 18 Jahre für die Führerscheinklassen A2 (Krafträder mit einer Motorleistung von bis zu 35 kW und einem Leistungsgewicht bis zu 0,2 kW/kg), B (Kraftfahrzeuge zur Beförderung von bis zu 9 Personen mit einer höchstzulässigen Gesamtmasse von 3,5 Tonnen), C1 (Kraftfahrzeuge mit einer höchstzulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen zur Beförderung von bis zu 9 Personen) und C1E (Fahrzeugkombinationen, die aus einem Zugfahrzeug der Klasse C1 oder B und einem Anhänger oder Sattelanhänger mit einer höchstzulässigen Gesamtmasse von mehr als 750 kg oder 3,5 Tonnen bestehen, sofern die höchstzulässige Gesamtmasse der Fahrzeugkombination 12 Tonnen nicht übersteigt);
    • 20 Jahren für Krafträder der Führerscheinklasse A;
    • 21 Jahre für die Führerscheinklassen A (dreirädrige Kraftfahrzeuge), C (Kraftfahrzeuge mit einer höchstzulässigen Gesamtmasse von mehr als 3,5 Tonnen zur Beförderung von bis zu 9 Personen), CE (Fahrzeugkombinationen, die aus einem Zugfahrzeug der Klasse C und einem Anhänger oder Sattelanhänger mit einer höchstzulässigen Gesamtmasse von mehr als 750 kg bestehen), D1 (Kraftfahrzeuge zur Beförderung von bis zu 17 Personen, deren Länge nicht mehr als 8 Meter beträgt) und D1E (Fahrzeugkombinationen, die aus einem Zugfahrzeug der Klasse D1 und einem Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 750 kg bestehen);
    • 24 Jahre für Kraftfahrzeuge der Klassen D und DE, die zur Beförderung von mehr als 9 Personen ausgelegt sind;
    • eine maximale Altersbegrenzung gibt es für keine dieser Führerscheinklassen;
  • ihren Wohnsitz in Luxemburg hat;
  • die für die gewählte Klasse erforderlichen medizinischen Bedingungen erfüllt.

Voraussetzungen

Um einen Führerschein zu bekommen, muss der Bewerber gewisse Bedingungen erfüllen:

  • er muss das erforderliche Mindestalter haben;
  • er muss sich einer medizinischen Untersuchung unterziehen, um seine Fahreignung zu bestätigen;
  • er muss seinen gewöhnlichen Wohnsitz in Luxemburg haben.

Der Führerschein wird demnach nicht ausgestellt, wenn der Bewerber:

  • unter schweren Herzrhythmusstörungen leidet;
  • unter Brustenge (Angina pectoris) leidet, die im Ruhe- oder Erregungszustand auftritt;
  • alkoholabhängig ist oder das Führen eines Fahrzeugs und Alkoholgenuss nicht trennen kann;
  • von psychotropen Stoffen abhängig ist oder, auch ohne abhängig zu sein, von solchen Stoffen regelmäßig übermäßig Gebrauch macht;
  • regelmäßig psychotrope Stoffe in irgendeiner Form einnimmt, wenn die aufgenommene Menge so groß ist, dass die Fahrtüchtigkeit nachteilig beeinflusst wird. Dies gilt auch für alle anderen Arzneimittel oder Kombinationen von Arzneimitteln, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.

Die Nationale Gesellschaft für Kfz-Verkehr (Société nationale de circulation automobile - SNCA) kann entsprechend den Informationen aus einem ärztlichen Attest eines Allgemeinmediziners die medizinische Kommission um eine Stellungnahme bezüglich der Fahreignung eines Verkehrsteilnehmers bitten.

Vorgehensweise und Details

Wahl einer zugelassenen Fahrschule und Antrag auf Erhalt eines Führerscheins

Das Verfahren zum Erhalt des Führerscheins beginnt für den Führerscheinanwärter mit der Wahl einer in Luxemburg zugelassenen Fahrschule.

Für die Führerscheinklassen A und B beträgt das Mindestalter, um sich in einer Fahrschule anzumelden, 17,5 Jahre.

Ein Wechsel der Fahrschule ist während der Fahrausbildung jederzeit möglich. Um die Fahrschule zu wechseln, genügt es, sich mit dem Fahrschülerausweis zu einer anderen Fahrschule seiner Wahl zu begeben. Diese lässt der Führerscheinstelle der SNCA den entsprechenden Antrag zukommen, damit die Änderung eingetragen und ein neuer Fahrschülerausweis auf den Namen der neuen Fahrschule ausgestellt werden kann. Ein solcher Wechsel hat keinerlei Einfluss auf die theoretische oder die praktische Fahrprüfung.

Die Fahrschule füllt den Antrag auf Erteilung eines Führerscheins aus und leitet das vom Führerscheinanwärter unterschriebene Formular zusammen mit folgenden Unterlagen an die Führerscheinstelle der Nationalen Gesellschaft für Kfz-Verkehr (SNCA) weiter:

  • aktuelles Passbild (frontal aufgenommen), Format 45 x 35 mm
  • ärztliches Attest (nicht älter als 3 Monate), welches auf einem vorgeschriebenen Formular von einem in Luxemburg als Allgemeinmediziner oder Facharzt der inneren Medizin zugelassenen Arzt ausgestellt wurde und bescheinigt, dass der Führerscheinanwärter die erforderlichen körperlichen und geistigen Fähigkeiten aufweist;
  • von der Fahrschule angebrachte Verwaltungsgebührenmarke in Höhe von 30 Euro;
  • aktueller Strafregisterauszug (Führungszeugnis Nr. 4), wenn der Anwärter zum Zeitpunkt der Antragstellung volljährig ist (ebenfalls aus dem Herkunftsland, wenn der Führerscheinanwärter seit weniger als 5 Jahren in Luxemburg wohnt);
  • Unterschrift des Sorgeberechtigten, wenn der Anwärter zum Zeitpunkt der Antragstellung noch keine 18 Jahre alt ist, sowie eine Kopie von dessen Ausweisdokument;
  • Kopie eines gültigen Ausweisdokuments, welches die Feststellung der Identität des Antragstellers ermöglicht.

Theoretische Ausbildung und Prüfung 

In der theoretischen Fahrausbildung werden insbesondere die Regeln für das Verhalten im Straßenverkehr behandelt, die in der von der Vereinigung für Verkehrssicherheit (Sécurité Routière a.s.b.l.) herausgegebenen Straßenverkehrsordnung (Code de route populaire) zusammengefasst sind. Sie ist im Buchhandel erhältlich.

Der Führerscheinanwärter erhält einen Fahrschülerausweis zum Nachweis der absolvierten Unterrichtseinheiten. Dieser Ausweis ist ab dem Tag seiner Ausstellung 3 Jahre gültig, mit Ausnahme der Klasse F, für die er nur ein Jahr gültig ist. Er kann 6 Monate vor Erreichen des für das Führen eines Fahrzeugs der entsprechenden Führerscheinklasse erforderlichen Mindestalters ausgestellt werden. Der Führerscheinanwärter muss ihn während der gesamten theoretischen und praktischen Fahrausbildung aufbewahren.

Wie viele theoretische Fahrstunden in der Fahrschule absolviert werden müssen, ist unterschiedlich:

  • mindestens 12 Fahrstunden für die Klassen A, A1, A2, AM, B und F;

  • mindestens 6 Stunden für die Klassen A, A2 und B, wenn der Führerscheinanwärter bereits im Besitz eines Führerscheins einer anderen Klasse ist.

Die theoretische Fahrausbildung wird mit einer Prüfung am PC abgeschlossen. Dazu muss im Vorfeld ein Antrag auf einen Termin für die theoretische Prüfung ausgefüllt werden. Der Führerscheinanwärter muss ein gültiges Ausweisdokument sowie seinen Fahrschülerausweis mitbringen. Die theoretische Fahrprüfung:

  • kann nach Wahl in französischer, deutscher, portugiesischer oder englischer Sprache bei der SNCA in Sandweiler (dienstags), Esch-sur-Alzette (donnerstags) oder Diekirch (mittwochs) abgelegt werden;

  • kann auf Antrag mündlich und erforderlichenfalls in Begleitung eines vereidigten Dolmetschers wahlweise in Sandweiler, Esch-sur-Alzette oder Diekirch abgelegt werden.

Hat der Führerscheinanwärter die theoretische Fahrprüfung nicht bestanden, muss er die Hälfte der Pflichtstunden der theoretischen Ausbildung wiederholen, bevor er die Prüfung erneut ablegen kann. Hierfür muss ein Antrag auf erneute Zulassung gestellt werden (gegen Zahlung einer Verwaltungsgebühr von 30 Euro).

In Bezug auf die theoretische Fahrausbildung und Fahrprüfung wurden für den erstmaligen Erwerb eines Führerscheins gemeinsame Grundlagen (tronc commun) eingeführt. Im Falle einer Erweiterung auf eine zusätzliche Klasse sind nur der auf die Besonderheiten dieser Klasse ausgerichtete Unterricht bzw. die entsprechenden Prüfungen vorgeschrieben.

Praktische Ausbildung und Prüfung

Wie viele praktische Fahrstunden in der Fahrschule absolviert werden müssen, ist unterschiedlich:

  • 16 Fahrstunden für die Klassen A1, A2, B und F;

  • 10 Unterrichtseinheiten à 1 Stunde für die Klasse A2, wenn der Führerscheinanwärter bereits den Führerschein der Klasse A1 besitzt.

Der Führerscheinanwärter kann die praktische Prüfung so oft wie nötig ablegen, muss aber nach jedem Nichtbestehen mindestens 8 praktische Fahrstunden nehmen.

Führerscheinanwärter der Klasse B können die Option des begleiteten Fahrens wählen. In diesem Fall wird die praktische Ausbildung teilweise von einer Begleitperson übernommen.

Pflichtteilnahme an einem Fahrsicherheitstraining

Hat der Führerscheinanwärter die praktische Fahrprüfung bestanden, wird der Führerschein der Klasse B mit einer Gültigkeitsdauer von 24 Monaten, d. h. für die Probezeit, ausgestellt. Am Tag der bestandenen Fahrprüfung wird kein Führerschein ausgestellt. Der Fahranfänger erhält für die Probezeit ein Heft (carnet de stage) mit 8 heraustrennbaren Bögen, in die sämtliche Verkehrsordnungswidrigkeiten eingetragen werden.

Außerdem ist der Fahranfänger verpflichtet, während dieser Probezeit an einem eintägigen Training im Fahrsicherheitszentrum in Colmar-Berg teilzunehmen. Dieses Training kann ab dem 3. Monat nach Ausstellung des Führerscheins absolviert werden. Die Teilnahmebescheinigung an diesem Training berechtigt zur Ausstellung des endgültigen Führerscheins, der eine Gültigkeitsdauer von 10 Jahren hat. Der Antrag auf einen endgültigen Führerschein kann bereits nach Absolvierung des Sicherheitstrainings in Colmar-Berg gestellt werden, allerdings darf das Dokument erst einen Monat vor Ablauf des Probeführerscheins ausgegeben werden.

Versicherung

Führerscheinanwärter, die sich für die normale Fahrausbildung entschieden haben, müssen keine spezielle Versicherung abzuschließen, da der Fahrlehrer dafür Sorge zu tragen hat.

Führen von Leichtkrafträdern mit einem Führerschein der Klasse B

In Luxemburg berechtigt der Führerschein der Klasse B zum Führen eines Leichtkraftrads (≤ 125 cm3), sofern der Führerscheininhaber seit mindestens 2 Jahren im Besitz seines Führerscheins der Klasse B sein und eine theoretische und praktische Ausbildung von mindestens 7 Stunden in einer Fahrschule absolviert haben muss.

Die Gültigkeit der Klasse B für das Führen von Leichtkrafträdern der Klasse A1 wird durch die Eintragung eines nationalen Codes im Führerschein bescheinigt und beschränkt sich auf das luxemburgische Staatsgebiet.

Klasse B gilt ebenfalls für das Führen von vierrädrigen Fahrzeugen.

Führen eines Kleinkraftrads (Klasse AM)

Um den Führerschein der Klasse AM (Kleinkrafträder und vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge) zu erwerben, ist eine mindestens 7-stündige theoretische und praktische Ausbildung durch eine Fahrschule erforderlich.

Um zur praktischen Ausbildung zugelassen zu werden, muss die theoretische Führerscheinprüfung bestanden worden sein.  

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