Optimierung der Liquiditätsüberschüsse durch Cash-Management

Cash-Management ist ein Verfahren, mit dem das Unternehmen seine Liquidität zentral steuern kann, so dass die flüssigen Mittel auf den einzelnen Konten des Unternehmens oder seiner Tochtergesellschaften und Niederlassungen besser verteilt werden können. Durch Cash-Management sollen die Liquiditätssteuerung und -erträge des Unternehmens verbessert und gesteigert werden. Dies kann erfolgen durch:

  • die Übertragung von Mitteln auf Konten, die einen negativen Saldo aufweisen, um hohe Sollzinsen zu vermeiden;
  • die Übertragung von Mitteln auf ein einziges Konto, um das Zinsergebnis durch die Kompensation der Soll- und Habenpositionen zu optimieren.

Durch das internationale Cash-Management-System hat das Unternehmen jederzeit Zugang zu sämtlichen Informationen, die für die Steuerung seiner Liquidität wichtig sind.

Gegenstand: Cash-Management ermöglicht die optimierte Steuerung der Liquidität sowie die ertragsorientierte Anlage und Verwaltung der flüssigen Mittel des Unternehmens.

Zielgruppe

Cash-Management betrifft vor allem multinationale Großunternehmen, aber auch alle anderen Unternehmen, die ihre Finanzkosten senken möchten, ohne jedoch die Anzahl der Konten zu verringern.

Ein interessantes Instrument ist Cash-Management vor allem für große Konzerne und Unternehmensgruppen:

  • die aus mehreren Gesellschaften bestehen, deren Liquiditätssituation sehr unterschiedlich ist;
  • die in mehreren europäischen oder außereuropäischen Ländern über Tochtergesellschaften oder Niederlassungen tätig sind oder aber Lieferanten bzw. Kunden im Ausland haben;
  • die über eine Vielzahl von Bankkonten in mehreren Ländern verfügen;
  • die ihre Liquiditätsbestände und Finanzdienstleistungen bündeln und zusammenfassen möchten;
  • die ihre Liquiditätssteuerung und ihr Forderungsmanagement optimieren wollen.

Voraussetzungen

  • Die Geschäftstätigkeit muss international sein, mindestens mit Kunden oder Lieferanten im Ausland;
  • Die Konten der Tochtergesellschaften des Unternehmens müssen bei derselben Bank geführt werden;
  • Die Bank des Unternehmens muss im Zielland durch Tochtergesellschaften, Filialen oder Partnerschaften mit anderen Banken vertreten sein;
  • Die Nutzung des Multiline-Systems ist vorteilhaft und vereinfacht die Übertragung von Mitteln.

Vorgehensweise und Details

Beim Cash-Management gibt es 2 unterschiedliche Techniken zur optimierten Steuerung der flüssigen Mittel. Dies sind:
  • Cash-Pooling: echte („physische“) Übertragung der Mittel;
  • Notional Pooling: unechte („fiktive“) Übertragung der Mittel.

Die Zielsetzung besteht dabei stets in der Begrenzung der Finanzkosten und in einer leistungsfähigeren Liquiditätssteuerung, indem das gleichzeitige Bestehen von Soll- und Habensalden auf einzelnen Konten innerhalb der Gruppe vermieden wird.

Cash-Pooling

Cash-Pooling (zentral gebündelte Liquiditätssteuerung) ermöglicht die Zusammenfassung der Liquidität der Gesellschaften einer Unternehmensgruppe auf einem einzigen Bankkonto. Das Unternehmen wählt ein zentrales Hauptkonto (Master-Account). Die anderen zum Pool gehörenden Konten werden regelmäßig über das zentrale Konto belastet bzw. erhalten Gutschriften. Cash-Pooling wird stets durch die echte („physische“) Übertragung von Mitteln durchgeführt.

Vorteile

  • Verwaltung eines einzigen, zentralen Kontos und somit Senkung der Finanzkosten;
  • höhere Nettoerträge, da die fälligen Zinsen für Überziehungen verringert werden bzw. sogar entfallen;
  • Vereinfachung der Liquiditätssteuerung durch ein EDV-basiertes Reporting und die Automatisierung zahlreicher Übertragungen;
  • geringere Verschuldung durch den Ausgleich zwischen Soll- und Habensalden.

Nachteile

  • hohe administrative Kosten durch die zentral gebündelte Steuerung der Liquidität;
  • Erfordernis einer Kreditlinie, um vorübergehende Unterdeckungen des Zentralkontos absichern zu können;
  • starke Zunahme der Berechnungsvorgänge und buchmäßige Erfassung der Buchungsvorgänge und der Vergütung gruppeninterner Darlehen;
  • Einschränkungen bei der Verwaltung der Nebenkonten.

Risiken

In einigen Ländern, in denen gruppeninterne Übertragungen als Darlehen gelten, kann dies rechtliche oder steuerliche Konsequenzen haben.

Notional Pooling

Notional Pooling (Zinsabrechnung) ermöglicht die Verringerung der zu zahlenden Zinsen und die Erhöhung der zu vereinnahmenden Zinsen durch eine fiktive Kompensation der Sollsalden mit den Habensalden. Hierbei muss das Unternehmen seine täglichen Transaktionen nicht mehr aufzeichnen, sondern erhält Zinsen auf den kumulierten Saldo der eingebundenen Konten und nicht mehr gesondert auf jedes einzelne Konto. Die Soll- und Habenzinsen werden monatlich auf Grundlage des täglich ermittelten fiktiven Netto-Saldos neu berechnet. Eine echte („physische“) Übertragung von Mitteln erfolgt nicht.

Vorteile

  • höherer Nettoertrag durch die fiktive Kompensation der Sollsalden durch die Habensalden;
  • Senkung der Finanzkosten, da keine echte („physische“) Übertragung von Mitteln erfolgt;
  • Multi-Währungssystem, das die Einbindung von Konten in verschiedenen Währungen erlaubt;
  • unabhängige Verwaltung jedes einzelnen Nebenkontos;
  • von Steuerbehörden als rechtmäßig anerkannt, da es nicht als Gewinnübertragung durch „gruppeninterne Darlehen“ gilt.

Nachteile

  • mangelnde Flexibilität, da Steuerung der Nettoposition der Gruppe schwierig;
  • setzt eine stärkere Nutzung der Kreditlinien als beim Cash-Pooling voraus, da jedes Konto eine Unterdeckung aufweisen kann;
  • keine Verringerung der Verschuldung in der Bilanz des inländischen Unternehmens.
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