Mehrwertsteuer – Warenlieferung

Achtung: Ab dem 30. März 2019 gilt das Vereinigte Königreich im Falle eines Brexits - No Deal als Drittland der Europäischen Union in diesem Bereich. Weitere Informationen zu den Folgen eines Brexits - No Deal für die Mehrwertsteuer auf Warenlieferungen zwischen Luxemburg und dem Vereinigten Königreich finden Sie hier.

Eine Warenlieferung ist jede Transaktion, die den Eigentumsübergang eines körperlichen Gegenstands zur Folge hat. Die Erbringung einer Dienstleistung oder die Vermietung eines körperlichen Gegenstandes zählen hingegen nicht zu Warenlieferungen.

Eine Warenlieferung unterliegt der Mehrwertsteuer (MwSt.) in Luxemburg, sofern sie dort erfolgt. Folglich bestimmt der Ort der steuerpflichtigen Transaktion, ob die luxemburgische Mehrwertsteuer angewendet wird.

Das Ursprungslandprinzip

Warenlieferungen sind in der Regel in Luxemburg steuerpflichtig, sofern sich diese Waren zum Ausgangszeitpunkt dort befinden, bzw. zum Zeitpunkt des Versands oder des Transports zum Bestimmungsort des Abnehmers, unabhängig von ihrem Bestimmungsort und unabhängig davon, ob der Versand oder der Transport von dem Lieferer, dem Abnehmer oder einem Dritten durchgeführt wird.

Die luxemburgische Mehrwertsteuer wird hingegen nicht angewendet, wenn sich die Waren zum Zeitpunkt des Versands an den Abnehmer in einem anderen EU-Mitgliedstaat befinden.

Der Lieferort gilt jedoch als in Luxemburg befindlicher Ort, sofern die Waren aus einem Drittstaat der Europäischen Union (EU) versendet werden und sofern das Unternehmen in Luxemburg mit dem Import der Waren beauftragt wurde. Im letzteren Fall wird folglich die luxemburgische Mehrwertsteuer angewendet.

Beispiele:

  • Ein luxemburgisches Unternehmen versendet Waren aus Luxemburg an eine belgische Privatperson: Die luxemburgische Mehrwertsteuer wird angewendet.
  • Das gleiche Unternehmen versendet seine Waren von seinem in Deutschland befindlichen Warenlager nach Deutschland: Die luxemburgische Mehrwertsteuer wird nicht angewendet, stattdessen muss die deutsche Mehrwertsteuer angewendet werden.

Ausnahme: Fernverkäufe an Privatpersonen

Für das Ursprungslandprinzip gibt es in Bezug auf den Fernverkauf eine bedeutende Ausnahme.

Der Fernverkauf umfasst den Versandhandel und ganz allgemein jeden Verkauf von Waren, die vom Verkäufer an in einem EU-Mitgliedstaat ansässige Privatpersonen, Privatverbraucher oder mehrwertsteuerbefreite Personen versendet oder transportiert werden.

Fernverkäufe an Verbraucher, die in einem anderen Mitgliedstaat der EU ansässig sind, sind in diesem Mitgliedstaat unbeschränkt steuerpflichtig, sobald der Lieferer dort Verkäufe tätigt, deren jährliche Summe eine bestimmte, von diesem anderen Mitgliedstaat festgelegte Lieferschwelle überschreitet (je nach dem betreffenden Mitgliedstaat 35.000 Euro bis 100.000 Euro).

Der Lieferer kann sich ebenfalls im Vorhinein für die Besteuerung im EU-Wohnsitzland des Verbrauchers entscheiden. Im letzteren Fall wird die Mehrwertsteuer dieses anderen Mitgliedstaates ab dem ersten Verkauf angewendet, unabhängig von dessen Betrag.

Beispiele:

  • Im Jahr 2006 führt ein luxemburgisches Unternehmen Fernverkäufe mit nach Frankreich in Höhe von 50.000 Euro aus. Das gleiche Unternehmen führt 2007 einen ersten Fernverkauf in Höhe von 18.000 Euro und anschließend einen zweiten Fernverkauf in Höhe von 12.000 Euro aus. Die Lieferschwelle, die in Frankreich auf 100.000 Euro festgelegt ist, wird nicht überschritten und diese Verkäufe unterliegen der luxemburgischen Mehrwertsteuer, sofern sich das Unternehmen natürlich im Vorhinein nicht für eine Besteuerung in Frankreich entschieden hat. In diesem Fall müsste die französische Mehrwertsteuer auf die Gesamtheit der durchgeführten Verkäufe angewendet werden.
  • Falls das gleiche Unternehmen jedoch bereits 2006 Fernverkäufe über 80.000 Euro in Frankreich durchgeführt hätte, so unterläge der erste Verkauf über 18.000 Euro, die Option zur Besteuerung in Frankreich ausgenommen, der luxemburgischen Mehrwertsteuer, aber die französische Mehrwertsteuer würde auf die Gesamtheit des zweiten Verkaufs über 12.000 Euro sowie auf alle nachfolgenden Verkäufe angewendet, sofern mit diesem zweiten Verkauf die gesetzliche Lieferschwelle von 100.000 Euro überschritten wird.

Vorgehensweise in der Praxis

Warenlieferungen zwischen in der EU ansässigen Steuerpflichtigen

Wenngleich die Mehrwertsteuer des Ursprungslandes in der Regel anzuwenden ist, profitiert das Unternehmen des Verkäufers von einer Mehrwertsteuerbefreiung im Ursprungsland, und die Mehrwertsteuer wird im Bestimmungsland erhoben.

Dazu muss das in der EU ansässige Unternehmen des Verkäufers nachweisen, dass die Lieferung der Ware in einen anderen Mitgliedstaat an ein steuerpflichtiges Unternehmen erfolgt, indem die europäische MwSt.-Identifikationsnummer des Käufers auf den ausgestellten Rechnungen angegeben wird.

Aufgrund der Aufhebung der Steuergrenzen obliegt die Entrichtung der Mehrwertsteuer dem Abnehmer. Die Steuerbemessungsgrundlage und die fällige Mehrwertsteuer werden vom Abnehmer auf seiner Mehrwertsteuererklärung angegeben.

Spezielle Regelungen gelten insbesondere:

  • im Rahmen von Dreieckstransaktionen;
  • für Lohnveredelung (diese besteht in der Be- und Verarbeitung von Waren, um sie in eine neue Form zu überführen): Diese Transaktionen werden als Dienstleistung angesehen und profitieren von einer steuerbefreiten Lieferung.

Die vom Abnehmer für ein innergemeinschaftliches Erwerbsgeschäft gezahlte Steuer ist abzugsfähig, sofern sie auf seiner Mehrwertsteuererklärung aufgeführt ist.

Warenlieferungen an Privatpersonen

Bei „Fernverkäufen“ (Versandhandel) an Privatpersonen oder an Personen, die von einer Ausnahmeregelung profitieren, ist die anzuwendende Mehrwertsteuer insbesondere von der Zahl der Verkäufe im Bestimmungsland abhängig:

  • Der Verkäufer ist in Luxemburg ansässig und die Summe seiner jährlichen Verkäufe im Warenbestimmungsland überschreitet die vom EU-Bestimmungsland festgesetzte Erwerbsschwelle (35.000 bis 100.000 Euro).
    => Die Mehrwertsteuer ist im Bestimmungsland fällig;
  • Der Verkäufer ist in Luxemburg ansässig und die Summe seiner jährlichen Verkäufe im Warenbestimmungsland unterschreitet die vom EU-Bestimmungsland festgesetzte Erwerbsschwelle (35.000 bis 100.000 Euro).
    => Die Besteuerung erfolgt in Luxemburg;
  • Der Verkäufer ist in einem anderen EU-Mitgliedstaat ansässig und die Summe seiner jährlichen Verkäufe nach Luxemburg überschreitet im Kalenderjahr 100.000 Euro ohne Steuern.
    => Die Besteuerung erfolgt in Luxemburg.

Sonderfälle: Bei der Lieferung von Neuwagen (unter 6.000 km oder unter 6 Monaten) oder verbrauchsteuerpflichtigen Waren an Privatpersonen ist die Lieferung im EU-Ursprungsland steuerbefreit und wird im EU-Bestimmungsland besteuert.

Zusammenfassung

Der Lieferer, der in Luxemburg ansässig ist und der seine Waren aus diesem Land an den Abnehmer versendet, unterliegt folgenden Regelungen:

Versand aus Luxemburg

 

in der EU ansässiger steuerpflichtiger Abnehmer

in der EU ansässiger nicht steuerpflichtiger Abnehmer

außerhalb der EU ansässiger Importeur

Umsatz des Lieferers im Land des Abnehmers
> Erwerbsschwelle (35.000 bis 100.000 Euro)

Mehrwertsteuerbefreiung in Luxemburg (1)
-
Mehrwertsteuer des EU-Mitgliedstaates des Abnehmers

Mehrwertsteuer des EU-Mitgliedstaates des Abnehmers

Mehrwertsteuerbefreiung in Luxemburg (2)

eventuell Mehrwertsteuer im Importland

Umsatz des Lieferers im Land des Abnehmers
< Erwerbsschwelle (35.000 bis 100.000 Euro)

Mehrwertsteuerbefreiung in Luxemburg(1)

Mehrwertsteuer des EU-Mitgliedstaates des Abnehmers

luxemburgische Mehrwertsteuer

- außer Option(3)

Mehrwertsteuerbefreiung in Luxemburg (2)

eventuell Mehrwertsteuer im Importland

(1) Die luxemburgische Mehrwertsteuer ist zwar anwendbar, aber gesetzlich ist eine Steuerbefreiung von Warenlieferungen vorgesehen, die an in der EU ansässige Steuerpflichtige erfolgen (Steuerbefreiung von innergemeinschaftlichen Lieferungen).

(2) Die luxemburgische Mehrwertsteuer ist zwar anwendbar, aber gesetzlich ist eine Steuerbefreiung des Exports von Waren in Drittländer vorgesehen, unabhängig davon, ob der Abnehmer in seinem Wohnsitzland mehrwertsteuerpflichtig ist.

(3) Die Mehrwertsteuer des EU-Mitgliedstaates des Abnehmers ist anwendbar, sofern sich der Lieferer im Vorhinein für die Besteuerung in diesem Mitgliedstaat entschieden hat.

Der Lieferer, der in einem anderen EU-Mitgliedstaat ansässig ist und der seine Waren aus diesem Land nach Luxemburg versendet, unterliegt folgenden Regelungen:

 Versand aus einem EU-Mitgliedstaat X

 

in Luxemburg ansässiger steuerpflichtiger Abnehmer

in Luxemburg ansässiger nicht steuerpflichtiger Abnehmer

Umsatz des Lieferers in Luxemburg
> 100.000 Euro

Mehrwertsteuerbefreiung des EU-Mitgliedstaats X (1)

luxemburgische Mehrwertsteuer

luxemburgische Mehrwertsteuer

Umsatz des Lieferers in Luxemburg
< 100.000 Euro

Mehrwertsteuerbefreiung des EU-Mitgliedstaats X (1)

luxemburgische Mehrwertsteuer

Mehrwertsteuer des EU-Mitgliedstaats X

- außer Option(2) -

(1) Die Mehrwertsteuer des EU-Mitgliedstaates X ist zwar anwendbar, aber gesetzlich ist eine Steuerbefreiung von Warenlieferungen vorgesehen, die an in der EU ansässige Steuerpflichtige erfolgen (Steuerbefreiung von innergemeinschaftlichen Lieferungen).

(2) Die luxemburgische Mehrwertsteuer ist anwendbar, sofern sich der Lieferer im Vorhinein für die Besteuerung in diesem Mitgliedstaat entschieden hat.

Ausländische Unternehmen, die Transaktionen in Luxemburg durchführen, können sich der Zahlung der Mehrwertsteuer nicht entziehen. Sie können eine Erstattung der beim Warenkauf in Luxemburg gezahlten Mehrwertsteuer beantragen, sofern sie keine steuerpflichtigen Transaktionen durchführen:

 

in Luxemburg ansässiger steuerpflichtiger Abnehmer

in Luxemburg ansässiger nicht steuerpflichtiger Abnehmer

Import aus einem Drittland Y

luxemburgische Mehrwertsteuer

luxemburgische Mehrwertsteuer

Verpflichtungen bezüglich der Mehrwertsteuererklärung

Die Verpflichtungen sind die Folge der fehlenden Kontrolle und Anmeldung beim Grenzübertritt innerhalb der EU.

Mehrwertsteuerpflichtige Unternehmen müssen:

  • über eine europäische MwSt.-Identifikationsnummer verfügen, die auf allen Rechnungen für EU-Mitgliedstaaten aufgeführt ist;
  • Rechnungen ausstellen, falls zutreffend auch für Teilzahlungen;
  • in der Buchhaltung je nach Fall einen Posten „innergemeinschaftlicher Erwerb“ oder „innergemeinschaftliche Lieferung“ einführen;
  • bei der Mehrwertsteuererklärung die Summe der innergemeinschaftlichen Transaktionen aufführen und die Mehrwertsteuer auf innergemeinschaftliche Erwerbsgeschäfte entrichten;
  • die zusammenfassenden Meldungen zu innergemeinschaftlichen Warenlieferungen ausfüllen.
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