Vorsteuerabzug

Die Vorsteuer ist die an die Lieferanten entrichtete Mehrwertsteuer.

Das Abzugsverfahren wurde eingeführt, um die Kostenbelastung von Gütern und Dienstleistungen nicht zu erhöhen und es dem Steuerpflichtigen zu ermöglichen, völlige Steuerneutralität herzustellen.

Daher muss jeder Steuerpflichtige den Differenzbetrag an die Steuerkasse der Einregistrierungs-, Domänen- und Mehrwertsteuerverwaltung (Recette des impôts de l’Administration de l’enregistrement, des domaines et de la TVA) abführen, der zwischen der beim Verkauf an Kunden eingenommenen MwSt. und der abzugsfähigen MwSt. besteht, die er im Rahmen seiner gewerblichen Tätigkeit beim Einkauf bei Lieferanten entrichtet hat.

Zu erstattende MwSt. = einbehaltene MwSt. (Bruttomehrwertsteuer) - abzugsfähige MwSt. (Vorsteuer)

Liegt der im Voraus entrichtete MwSt.-Betrag über dem vom Steuerpflichtigen geschuldeten Betrag, kann der überzahlte Betrag entweder erstattet werden oder auf den folgenden Erklärungszeitraum zwecks Abzug vorgetragen werden.

Zielgruppe

Der Vorsteuerabzug kann jeden Mehrwertsteuerpflichtigen betreffen, insbesondere Personen, die unabhängig und gewöhnlich Geschäfte in Bezug auf eine beliebige Wirtschaftstätigkeit tätigen, und zwar unabhängig von Zweck und Ergebnis sowie vom Ausführungsort dieser Aktivität.

Sie ist daher nicht abzugsfähig, wenn die erworbenen Güter oder Dienstleistungen dazu verwendet werden, steuerbefreite Aktivitäten zu tätigen, oder wenn der Steuerpflichtige im Hinblick auf die Erzeugnisse seiner Tätigkeit nicht der MwSt. unterliegt.

Sie wird lediglich teilweise abgezogen, wenn die Güter oder Dienstleistungen zu dem Zweck erworben werden, gleichzeitig steuerbare Tätigkeiten und steuerbefreite oder außerhalb des Anwendungsbereichs der MwSt. liegende Tätigkeiten auszuführen.

Im Vorfeld zu erledigende Schritte

Um in den Genuss des Vorsteuerabzugs zu gelangen, muss der Steuerpflichtige bei der Einregistrierungs-, Domänen- und Mehrwertsteuerverwaltung einen Nachweis vorlegen. Es kann sich dabei um Folgendes handeln:

  • die Rechnung, wenn das Unternehmen Abzüge vornimmt;
  • die Zolldokumente, wenn es sich um eine Einfuhr handelt;
  • die Mehrwertsteuererklärung in Fällen des Innergemeinschaftlichen Erwerbs;
  • den Bericht des Spediteurs;
  • die notarielle Urkunde bei Immobilien, die der MwSt. auf Immobilien unterliegen.

Fristen

Der Anspruch auf Abzug besteht, wenn die MwSt. erhoben werden kann, und zwar beim Lieferanten der Güter oder Erbringer der Dienstleistungen, und ist gleich hoch, egal ob es sich um Güter oder Dienstleistungen handelt.

Wurde die abzugsfähige MwSt. in der Mehrwertsteuererklärung nicht angegeben, kann das Unternehmen dies in einer weiteren Erklärung bis zum 31. Dezember des fraglichen Jahres berichtigen.

Vorgehensweise und Details

Abzugsfähigkeit der Mehrwertsteuer

Nur die luxemburgische Mehrwertsteuer ist in Luxemburg abzugsfähig.

Die Erstattung einer ausländischen Mehrwertsteuer, die auf Ausgaben in einem anderen Mitgliedstaat angefallen ist, muss direkt bei der zuständigen Behörde dieses Staates beantragt werden.

Der Vorsteuerabzug gilt nur für die Mehrwertsteuer auf die Güter und/oder Dienstleistungen, die für den Betrieb des Unternehmens erforderlich sind. In diesem Fall darf die Person in ihrer regelmäßigen und/oder jährlichen Erklärung Folgendes absetzen:

Die Ausgaben für Wohnung, Verpflegung, Betreuung und Veranstaltungen sind daher nicht abzugsfähig, ausgenommen:

  • die Bereitstellung einer Wohnung für das Überwachungspersonal des Unternehmens;
  • Ausgaben für Dritte (nicht Arbeitnehmer);
  • Ausgaben im Zusammenhang mit dem Eintritt der Vertragshaftung für den Steuerpflichtigen (zum Beispiel Kosten für Unterbringung/Verpflegung, die einer Fluggesellschaft im Hinblick auf Passagiere aufgrund eines verlängerten Aufenthalts in einem Flughafen entstehen).

Wenn das Gut oder die Dienstleistung nicht vollständig für den Betrieb verwendet wird, muss der Steuerpflichtige den anteiligen abzugsfähigen Betrag bestimmen. Dieser muss betragen:

  • weniger als 90 % des Betrages der nicht abzugsfähigen Steuern;
  • weniger als 250 Euro für das Kalenderjahr.

Die MwSt. kann durch zwei unterschiedliche Methoden erstattet werden:

  • durch Anrechnung der abzugsfähigen MwSt., die auf die eingenommene oder erklärte MwSt. anfällt.
    Ist das Ergebnis negativ (der Betrag der abzugsfähigen MwSt. liegt über dem fälligen MwSt.-Betrag), wird der überzahlte Betrag auf die künftigen Mehrwertsteuererklärungen im Zusammenhang mit demselben Kalenderjahr vorgetragen;
  • durch die für alle Steuerpflichtigen geltende Erstattung des überzahlten Betrages.
    Dies erfolgt theoretisch monatlich, wenn der Betrag bei mindestens 1.200 Euro liegt. Ansonsten jährlich, sofern die Höhe mehr als 2,40 Euro beträgt.

Rechnungsberichtigungen

Der MwSt.-Abzug erfolgt grundsätzlich endgültig. Unter bestimmten Umständen kann die AED jedoch Rechnungsberichtigungen vornehmen.

Veräußerung von Anlagevermögen oder nicht der MwSt. unterliegenden Anlagegütern.

Die erstattungsfähige MwSt. errechnet sich folgendermaßen:

  • bei bebauten Immobilien während der 10 Jahre nach dem Erwerb => MwSt.-Betrag abgezogen beim Erwerb x 1/10 pro verbleibendes Jahr;
  • bei sonstigem Anlagevermögen, während der 5 Jahre nach dem Erwerb => MwSt.-Betrag, abgezogen beim Erwerb x 1/5 pro Jahr.

Beispiel: am 1. Februar 2002 hat ein Unternehmen eine Immobilie für betriebliche Zwecke erworben, die zurückerhaltene MwSt. beträgt 1.000.000 Euro.

Am 1. November 2007 erwarb dieses Unternehmen gewerbliche Ausrüstung und erhielt 500 Euro MwSt. zurück.

Am 10. Januar 2009 musste besagtes Unternehmen seine Geschäftstätigkeit einstellen.

=> Betrag der vorzunehmenden Rechnungsberichtigung:

Für die Immobilie: es sind zwischen dem Kauf und der Einstellung der Geschäftstätigkeit 7 Jahre verstrichen. Die Rechnungsberichtigung gilt daher für 3 Jahre (10-7).

Rechnungsberichtigung = 1.000.000 - 3/10 = 300.000 Euro

Für die Ausrüstung: es ist seit dem Kauf 1 Jahr vergangen. Die Rechnungsberichtigung gilt daher für 4 Jahre.

Rechnungsberichtigung = 500 - 4/5 = 400 Euro

Aussonderung von Gütern (Waren)

Die MwSt. wird gänzlich erstattet, ausgenommen die Aussonderung ist auf einen Unfall zurückzuführen.

Nicht steuerpflichtige Transaktion

Wenn das Gut oder die Dienstleistung nicht Teil eines steuerpflichtigen Geschäfts ist (zum Beispiel: kostenlose Lieferung einer Ware), wird die MwSt. in voller Höhe erstattet.

Teilweise der MwSt. unterliegende Unternehmen

Bestimmte Unternehmen unterliegen nicht der MwSt. auf ihren Gesamtumsatz, wenn sie sowohl steuerpflichtige als auch nicht steuerpflichtige Geschäfte tätigen. Es wird darauf hingewiesen, dass die Anwendung der MwSt. an das Territorialitätsprinzip der Steuer gebunden ist.

Teilweise Steuerpflichtige

Es handelt sich zwar um mehrwertsteuerpflichtige Unternehmen, die jedoch bestimmte Geschäfte tätigen, die außerhalb des Anwendungsbereichs der MwSt. liegen, insbesondere:

  • Finanzanlageprodukte (wenn der Begünstige der Leistung außerhalb der Europäischen Union oder in einem anderen EU-Mitgliedstaat ansässig ist);
  • Ausgleichsleistungen: es handelt sich dabei um Fördermittel für ein Unternehmen zum Ausgleich der Gesamtverluste, die es verzeichnet hätte, wenn ihm diese Fördermittel nicht gewährt worden wären;
  • Entschädigungen;
  • zwischenbetriebliche Hilfen.

Anhand der Art der vom Unternehmen erzielten Einnahmen kann eingeschätzt werden, ob es der Teilbesteuerung unterliegt. Nur die MwSt. in Bezug auf das für die Durchführung von steuerpflichtigen Geschäften verwendete Gut ist abzugsfähig.

Beispiel: Banken sind teilweise steuerpflichtig; bestimmte Geschäfte, die sie tätigen, unterliegen der MwSt., während der Großteil ihrer Finanzierungsaktivitäten steuerbefreit ist.

Anhand der Belastung oder des Erwerbs eines Anlagevermögenswerts und nach Einteilung des Unternehmens in verschiedene Tätigkeitsbereiche wird festgelegt, ob die Anlagegüter eines oder mehrerer Bereiche betroffen sind:

  • Ausgaben im Zusammenhang mit Gütern, die nur einem der MwSt. unterliegenden Sektor zugeordnet sind, führen zum völligen Abzug;
  • Ausgaben im Zusammenhang mit Gütern, die nur einem nicht der MwSt. unterliegenden Sektor zugeordnet sind, ermöglichen keinerlei Abzug;
  • gemischte Ausgaben im Zusammenhang mit Gütern, die gleichzeitig für einen mehrwertsteuerpflichtigen oder vergleichbaren Sektor (Anspruch auf Abzug) und einen nicht der MwSt. unterliegenden Sektor (kein Anspruch auf Abzug) verwendet werden, sind teilweise abzugsfähig.

Bei diesen Ausgaben ermöglicht ein Verteilungsschlüssel die Ermittlung des abzugsfähigen MwSt.-Anteils. Man unterscheidet:

  • den physischen Verteilungsschlüssel, zum Beispiel nach den Lohnsummen jedes Sektors, der je Sektor genutzten Fläche usw.;
  • den wirtschaftlichen Verteilungsschlüssel, der sich nach den steuerbaren Einnahmen im Verhältnis zu den Gesamteinnahmen bemisst.

Der so ermittelte Abzug kann eine Anpassung (Rückzahlung oder zusätzlicher Abzug) erfahren, wenn der Nutzungsgrad der Sachanlage innerhalb von vier Jahren nach dem Erwerb der Ausrüstung oder zehn Jahre nach dem Erwerb der Immobilien um mehr als 10 Punkte schwankt.

Beispiel: im 1. Jahr erwirbt das Unternehmen Ausrüstung. Diese wird für gemischte Geschäfte verwendet, die in Höhe von 40 % der MwSt. unterliegen.
=> Die ursprüngliche MwSt., d. h. 20.000 Euro, wird in Höhe von 8.000 Euro (20.000 x 40 %) abgezogen.
Im 2. Jahr liegt der Prozentsatz an mehrwertsteuerpflichtigen Geschäften, für die diese Ausrüstung genutzt wird, bei 10 %.
=> Der Nutzungsgrad schwankt im Laufe des Jahres nach dem Kauf um mehr als 10 % und die Rechnungsberichtigung der MwSt. errechnet sich für 5 Jahre auf 1/5 pro Jahr. Die Rechnungsberichtigung für das 2. Jahr muss daher folgendermaßen erfolgen: 8.000 – (8.000 x 4/5) = 1.600 Euro Erstattungsbetrag.
Die Rückzahlung kann vom Unternehmensergebnis abgezogen werden.

Teilweise Steuerpflichtige

Hierbei handelt es sich um Unternehmen, die bestimmte Geschäfte tätigen, die zwar in den Anwendungsbereich der MwSt. fallen, aber steuerbefreit sind.

Zur Berechnung des abzugsfähigen MwSt.-Betrags muss der teilweise Steuerpflichtige die Regel für die Zurechnung auf Lagerbestände und Dienstleistungen anwenden:

  • die Steuer ist abzugsfähig, wenn das Gut hergestellt und die Dienstleistung erbracht wurden, um mehrwertsteuerpflichtige Geschäfte zu tätigen;
  • sie ist nicht abzugsfähig, wenn das Gut hergestellt und die Dienstleistung erbracht wurden, um nicht mehrwertsteuerpflichtige Geschäfte zu tätigen, die keinen Anspruch auf Abzug begründen;
  • die Steuer ist teilweise abzugsfähig, wenn das Gut hergestellt und die Dienstleistung erbracht wurden, um gemischte Ausgaben zu tätigen, die gleichzeitig zusammenhängen:
    • mit mehrwertsteuerpflichtigen Geschäften;
    • sonstigen steuerbefreiten Geschäften.

Bei diesen Ausgaben kommt die Prorata-Regel zur Anwendung, um die abzugsfähige MwSt. zu berechnen.
Die Prorata-Regel wird bei Sachanlagen angewendet, die für alle Geschäfte eingesetzt werden. Die abzugsfähige MwSt. wird daher durch Anwendung des Verhältnisses ermittelt, das zwischen der Höhe der Einnahmen, die einen Anspruch auf Abzug begründen, und dem Umsatz des Jahres besteht:

  • man bildet die Summe aus:
    • allen Geschäften, die Anspruch auf Abzug begründen;
    • und allen Geschäften im internationalen Handel, d. h. Geschäften, die der luxemburgischen Mehrwertsteuer unterliegen oder unterliegen könnten, wenn sie in Luxemburg (innergemeinschaftliche Lieferung, Ausfuhren sowie Zinseinnahmen oder Einnahmen aus nicht in der EU geschlossenen Versicherungen usw.) getätigt würden;
  • die geteilt wird durch die Summe:
    • aus der Gesamtsumme im Zähler;
    • der steuerbefreiten Einnahmen (unberücksichtigt bleiben die Einnahmen außerhalb des Anwendungsbereichs der MwSt., die Zinsen aus Finanzanlagen (= die eingenommenen Dividenden von Filialen liegen außerhalb des Anwendungsbereichs) und die steuerbefreiten Fördermittel).
Bestimmte Einnahmen bleiben unberücksichtigt, sowohl im Zähler als auch im Nenner, es handelt sich hierbei um:
  • Schadenersatzzahlungen;
  • Fördermittel für Ausrüstung;
  • Eigenleistungen;
  • nachrangige Finanz- oder Immobilieneinkünfte.

Bei Prorata-Schwankungen von mehr als 10 % ist es angebracht, Rechnungsberichtigungen vorzunehmen, um den endgültigen Prorata-Betrag zu berechnen und um alle späteren Änderungen hinsichtlich der Sachanlagen zu berücksichtigen.

Zuständige Kontaktstellen

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