Kommanditgesellschaft (Société en commandite simple)

Die Société en commandite simple (SECS) (vergleichbar mit der einfachen Kommanditgesellschaft - KG) ist eine Handelsgesellschaft. Sie benötigt mindestens 2 Gesellschafter, d. h. einen Komplementär (Vollhafter) (associé commandité) und einen Kommanditisten (Teilhafter) (associé commanditaire). Die 2 Gesellschafter unterscheiden sich in Bezug auf ihre Haftung voneinander:

  • der Komplementär haftet unbegrenzt und solidarisch für die Verpflichtungen der Gesellschaft;
  • der Kommanditist haftet nur bis in Höhe seiner Einlagen.

Zielgruppe

In der Praxis findet man die SECS bei allen Arten von Geschäften wieder.

Die Unterscheidung zwischen 2 Gesellschafterarten hat vor allem 2 Vorteile. Sie ermöglicht:

  • den Komplementären, das Gesellschaftskapital zu erweitern, ohne dass ihnen die Verfügungsgewalt vorenthalten wird;
  • den Kommanditisten, sich in einer Gesellschaft zu verpflichten, ohne unbegrenzte Risiken auf sich nehmen zu müssen.

Aus diesen Gründen ist diese Rechtsform interessant für Jungunternehmer mit innovativen Ideen, die auf die Finanzierung durch Dritte angewiesen sind, sowie für Unternehmer, die mit beschränkter Haftung in eine Gesellschaft investieren wollen. Sie bietet sich ebenfalls für kleine und mittlere Familienunternehmen an (Möglichkeit der Übertragung an minderjährige Erben).

Voraussetzungen

Vor der Gründung einer SECS muss sichergestellt werden, dass die Komplementäre in der Lage sind, als Kaufleute tätig zu sein, was für die Kommanditisten nicht erforderlich ist.

Vorgehensweise und Details

Gesellschaftsgründung

Gründungsurkunde

  • notarielle oder privatschriftliche Urkunde;
  • Eintragung im Handels- und Gesellschaftsregister (Registre de commerce et des sociétés - RCS) zu Veröffentlichungszwecken in der Elektronischen Sammlung der Gesellschaften und Vereinigungen (Recueil électronique des sociétés et associations - RESA).

Dauer

  • unbegrenzt, außer im Falle einer gegenteiligen Bestimmung in der Satzung;
  • wird auf Wunsch, nach Ableben, wegen Zahlungsunfähigkeit, Entmündigung oder Insolvenz eines der Komplementäre aufgelöst, außer im Falle einer gegenteiligen Bestimmung in der Satzung.

Kapital

Bedingungen

  • kein Mindestgesellschaftskapital;
  • der Betrag des Gesellschaftskapitals oder des Werts der eingebrachten oder von jedem Komplementär oder Kommanditisten einzubringenden Einlagen ist in der Satzung angegeben;
  • Gesellschaftskapital: Geld-, Sach- oder Dienstleistungseinlagen (Bericht eines Wirtschaftsprüfers nicht erforderlich);
  • Kommanditist:
    • die Einlagen sind Teil des Gesellschaftskapitals;
    • sie müssen nicht zwingend bei der Gründung eingezahlt sein (ein unwiderrufliches Einlageversprechen ist ausreichend).

Form der Gesellschaftsanteile

  • nur Namensanteile.

Abtretung von Gesellschaftsanteilen

  • die Gesellschaftsanteile sind nicht abtretbar oder übertragbar, außer im Falle einer gegenteiligen Bestimmung in
    der Satzung (z. B. eingeschränkte Abtretbarkeit):
    • die Gesellschaftsanteile des/der Komplementärs/Komplementäre sind mit Zustimmung aller Gesellschafter abtretbar;
    • die Gesellschaftsanteile des/der Kommanditisten sind mit Zustimmung der Mehrheit oder qualifizierten Mehrheit der Gesellschafter abtretbar;
  • Mitteilung und Annahme der Übertragung durch die Gesellschaft und Veröffentlichung im Handelsregister;
  • die Abtretung unterliegt der Eintragungsgebühr, sofern die Gesellschaft Immobilien hält.

Gesellschafter

Bedingungen

  • der Komplementär muss die Eigenschaft des Kaufmannes besitzen;
  • der Kommanditist muss keine speziellen Bedingungen erfüllen.

Anzahl

  • mindestens 2: ein Kommanditist und ein Komplementär;
  • keine Begrenzung nach oben.

Haftung

  • Komplementäre: haften unbegrenzt und solidarisch für sämtliche Verpflichtungen der Gesellschaft gegenüber:
    • den Gläubigern der Gesellschaft in Höhe des Gesellschaftsvermögens, zu welchem das Privatvermögen der Gesellschafter hinzugezählt wird;
    • den Steuerbehörden, wenn die Steuerschuld sich aus den Tätigkeiten des Unternehmens ergibt (MwSt., kommunale Gewerbesteuer);
    • den anderen Gesellschaftern als solidarische Mitschuldner, außer im Falle einer gegenteiligen Bestimmung in der Satzung;
  • Kommanditisten:
    • solidarische Haftung, die jedoch auf die Höhe ihrer Einlage beschränkt ist;
    • Haftung gegenüber Dritten, Zinsen und Dividenden zu erstatten, wenn sie nicht von tatsächlichen Gewinnen, sondern vom Gesellschaftskapital entnommen werden;
    • es ist untersagt, eine Geschäftsführungshandlung gegenüber Dritten vorzunehmen, da ansonsten ihre unbegrenzte Haftung ausgelöst ist (folgende Handlungen sind nicht von diesem Verbot betroffen: beratende Stellungnahmen, Aufsichts- und Überwachungshandlungen, den Geschäftsführern erteilte Genehmigungen für Handlungen, die ihre Befugnisse übersteigen).

Gesellschafterversammlungen

Vorbehaltlich einer anderslautenden Bestimmung in der Satzung:

  • werden die Beschlüsse der Gesellschafter in der Gesellschafterversammlung oder per schriftlicher Konsultation gefasst, in deren Rahmen jeder Gesellschafter den Wortlaut der ausdrücklich formulierten, zu treffenden Beschlüsse oder Entscheidungen erhält und seine Stimme schriftlich abgibt;
  • ist ein Beschluss nur mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen gültig, und zwar unabhängig vom Anteil der vertretenen Gesellschaftsanteile, es sei denn, es handelt sich um Beschlüsse, die Änderungen des Gesellschaftszwecks, die Änderung der Nationalität, die Umwandlung oder die Liquidation betreffen; diese werden nur mit der Zustimmung der Gesellschafter, die 3/4 der Gesellschaftsanteile vertreten, und in jedem Fall mit der Zustimmung aller Komplementäre angenommen;
  • können diese Versammlungen oder schriftlichen Konsultationen von dem oder den Geschäftsführern oder den Gesellschaftern, die mehr als die Hälfte der Gesellschaftsanteile vertreten, einberufen oder veranlasst werden;
  • hängen die Stimmrechte der Gesellschafter von deren Gesellschaftsanteilen ab.

Formen und Vorschriften für die Einberufung müssen in der Satzung festgelegt werden.

Funktionsweise der SECS

Geschäftsführung/Verwaltung

  • die Geschäftsführung/Verwaltung obliegt einem oder mehreren Geschäftsführern, bei denen es sich um Komplementäre oder Nichtgesellschafter handeln kann, die gemäß dem Gesellschaftsvertrag bestellt werden;
  • werden keine Geschäftsführer bestellt, übernehmen alle Komplementäre die Geschäftsführung;
  • der Geschäftsführer gilt als Bevollmächtigter in Sachen Haftung, ist aber tatsächlich ein Gesellschaftsorgan;
  • es besteht keinerlei Einschränkung hinsichtlich der Staatsangehörigkeit der Geschäftsführer;
  • die Verwaltungsbefugnisse des Geschäftsführers sind durch den Gesellschaftszweck und die Satzung begrenzt (eine gegen den Gesellschaftszweck oder die Satzung verstoßende Handlung verpflichtet die Gesellschaft trotzdem, wenn sie von der Gesellschafterversammlung beschlossen wurde);
  • der Geschäftsführer muss nicht die Voraussetzungen zum Erwerb der Kaufmannseigenschaft erfüllen;
  • Haftung der Geschäftsführer, die keine Komplementäre sind:
    • haften gegenüber der Gesellschaft für Fehler bei ihrer Verwaltung/Geschäftsführung;
    • haften solidarisch entweder gegenüber der Gesellschaft oder gegenüber Dritten für Schäden aus Verstößen gegen das Gesetz über die Handelsgesellschaften oder gegen die Satzung.

Buchhaltung

Buchhaltungstechnische und finanzielle Informationen

Die SECS muss ihre Bücher entsprechend der Art und dem Umfang ihrer Geschäftstätigkeiten führen und sich dabei nach dem standardisierten Kontenplan (plan comptable normalisé - PCN) richten. Sie ist weder zur Aufstellung eines Jahresabschlusses (Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Anhang) noch zur Einhaltung des PCN noch zu deren Hinterlegung verpflichtet, wenn der Jahresumsatz ihres letzten Geschäftsjahres 100.000 Euro (ohne MwSt.) nicht übersteigt. Sollte sie diesen Schwellenwert jedoch überschreiten, ist sie dazu verpflichtet.

Die SECS muss ebenfalls insbesondere dann einen Jahresabschluss aufstellen und den standardisierten Kontenplan einhalten:

  • wenn alle unbegrenzt haftenden Gesellschafter SA, SARL oder SECA sind;
  • wenn alle unbegrenzt haftenden Gesellschafter selbst in einer SENC/SECS oder SA, SARL oder SECA zusammengeschlossen sind;
  • wenn es sich bei den Gesellschaftern um nichteuropäische Gesellschaften mit einer vergleichbaren Form handelt.

Der Jahresabschluss muss der Gesellschafterversammlung vorgelegt und innerhalb von 7 Monaten nach Abschluss des Geschäftsjahres (6 Monate, um die Gesellschafterversammlung abzuhalten, plus 1 Monat ab dieser Gesellschafterversammlung) im Handels- und Firmenregister von Luxemburg eingetragen werden.

SECS können eine verkürzte Bilanz erstellen, wenn sie bei Abschluss der Bilanz und nach 2 aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren die bezifferten Obergrenzen von 2 der 3 folgenden Kriterien nicht überschreiten:

  • Bilanzsumme: 4,4 Millionen Euro;
  • Nettoumsatz: 8,8 Millionen Euro;
  • mittlerer Personalbestand (Vollzeit): 50.

SECS können bestimmte Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung zusammenfassen, wenn sie bei Abschluss der Bilanz und nach 2 aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren die bezifferten Obergrenzen von 2 der 3 folgenden Kriterien nicht überschreiten:

  • Bilanzsumme: 20 Millionen Euro;
  • Nettoumsatz: 40 Millionen Euro;
  • mittlerer Personalbestand (Vollzeit): 250.

Die Abschlüsse müssen gemäß den sogenannten „Lux Gaap“-Rechnungslegungsgrundsätzen erstellt werden.

Beaufsichtigung / Kontrolle der Gesellschaft

  • weder interner Rechnungsprüfer noch Gesellschafterversammlung;
  • Abschlussprüfung durch einen zugelassenen Wirtschaftsprüfer (Réviseur d'entreprises agréé) ist für alle SECS Pflicht:
    • bei denen die unbegrenzt haftenden Gesellschafter SA, SARL, SECA oder vergleichbare Gesellschaften sind oder;
    • die bei Abschluss der Bilanz und nach 2 aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren die bezifferten Obergrenzen von 2 der 3 folgenden Kriterien nicht überschreiten:
      • Bilanzsumme: 4,4 Millionen Euro;
      • Nettoumsatz: 8,8 Millionen Euro;
      • mittlerer Personalbestand (Vollzeit): 50.

Steuerliche Aspekte

Zuständige Kontaktstellen

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