Die bei einer Erbschaft anfallenden Steuern ermitteln

Die Steuergesetzgebung unterscheidet 2 Kategorien von Steuern, die auf geerbte Vermögensgegenstände erhoben werden:

  • die Erbschaftsteuer (droits de succession): Diese Steuer wird grundsätzlich auf den Wert aller beweglichen und unbeweglichen Vermögensgegenstände erhoben, die aus dem Nachlass einer in Luxemburg ansässigen Person erlangt werden. Als Einwohner Luxemburgs gilt jede Person, die ihren Wohn- oder Vermögenssitz in Luxemburg eingerichtet hat;
  • die Steuer auf den Vermögensübergang von Todes wegen (droits de mutation par décès): Diese Steuer wird auf den Wert von in Luxemburg gelegenen Immobilien erhoben, die zu Eigentum oder Nießbrauch aus dem Nachlass eines Verstorbenen erlangt werden, der seinen letzten Wohn- oder Vermögenssitz im Ausland hatte.

Zielgruppe

Die Erbschaftsteuer und die Steuer auf den Vermögensübergang von Todes wegen auf die geerbten Güter sind grundsätzlich unabhängig davon zu entrichten, ob die Erben oder Vermächtnisnehmer in Luxemburg ansässig sind oder nicht.

Im Vorfeld zu erledigende Schritte

Um die Höhe der Erbschaftsteuer oder der Steuer auf den Vermögensübergang von Todes wegen zu bestimmen, müssen die Erben oder Vermächtnisnehmer eine Erbschaftserklärung bei der Einregistrierungs-, Domänen- und Mehrwertsteuerverwaltung (Administration de l’enregistrement, des domaines et de la TVA - AED) einreichen. Die AED fordert daraufhin die geschuldete Steuer an.

Vorgehensweise und Details

Erbschaftsteuer nach dem Tod einer Person, die ihren letzten Wohnsitz in Luxemburg hatte

Falls der Verstorbene seinen letzten Wohnsitz in Luxemburg hatte, ist die Erbschaft in Luxemburg steuerpflichtig (Erbschaftsteuer), mit Ausnahme der im Ausland gelegenen Immobilien. Es wird keine Erbschaftsteuer auf Immobilien erhoben, die mit dem Nachlass einer in Luxemburg ansässigen Person zusammenhängen und im Ausland gelegen sind.

Berechnungsgrundlage der Erbschaftsteuer

Die Erbschaftsteuer wird auf den Nettowert der vom Verstorbenen hinterlassenen Erbschaft berechnet (auch „Nettonachlassvermögen“ genannt).

Die Berechnungsgrundlage der Erbschaftsteuer setzt sich zusammen aus:

  • allen beweglichen Vermögensgegenständen (Möbel, Fahrzeuge, Aktien, Geldvermögen, Gemälde usw.), unabhängig davon, ob sie sich in Luxemburg oder im Ausland befinden;
  • Immobilien, die in Luxemburg gelegen sind.
Unter bestimmten Voraussetzungen wird keine Erbschaftsteuer auf im Ausland befindliche bewegliche Vermögensgegenstände erhoben, wenn sie dort aufgrund der Staatsangehörigkeit des Verstorbenen der Erhebung einer Erbschaftsteuer unterliegen.

Von den Vermögenswerten sind anschließend folgende Schulden abzuziehen, die die Passivseite des Nachlasses bilden:

  • die am Todestag des Erblassers bestehenden Schulden sowie die zugehörigen Zinsen (z. B. private Schulden, berufliche Schulden, noch nicht bezahlte Steuern usw.);
  • die Beerdigungskosten des Erblassers.

Alle Güter werden grundsätzlich mit ihrem Verkehrswert (d. h. Marktwert) am Todestag angesetzt. Es bestehen jedoch Sonderregelungen für die Bewertung:

  • von Erbbauzinsen;
  • von Grundrenten;
  • von Leibrenten und regelmäßigen Vergütungen;
  • des Werts der Güter im Falle der Eigentumsaufteilung (d. h. Nießbrauch und bloßes Eigentum).
Beispiel:

Börsennotierte Aktien werden mit dem am Todestag festgestellten Börsenkurs bewertet. Immobilien werden mit ihrem wahrscheinlichen Verkaufswert am Todestag angesetzt. Es kann erforderlich sein, für die Wertermittlung einen Gutachter hinzuzuziehen oder den Wert durch Vergleich mit ähnlichen Immobilien, die vor Kurzem verkauft wurden, zu ermitteln.

War der Erblasser am Todestag verheiratet, umfasst der Nachlass:

  • sein eigenes Vermögen und;
  • seinen Anteil am gemeinsamen ehelichen Vermögen.

Die Ermittlung des eigenen Vermögens und des gemeinsamen ehelichen Vermögens hängt vom Güterstand ab, der für die Ehe maßgeblich war.

Schenkungen und entgeltliche Übertragungen unmittelbar vor dem Todesfall – Vertrag mit einer Verfügung zugunsten eines Dritten

Die Erbschaftsteuer fällt grundsätzlich nicht auf Güter an, die der Erblasser an einen oder mehrere seiner Erben übergeben oder übertragen hat.

Dennoch können bestimmte Schenkungen, entgeltliche Übertragungen und Verträge mit Verfügungen zugunsten eines Dritten bei der Berechnung der Erbschaftsteuer berücksichtigt werden, z. B.:

  • Güter:
  • bewegliche Güter und Immobilien:
    • die der Erblasser weniger als 3 Monate vor seinem Tod entgeltlich übertragen oder verkauft hat;
    • an einen Angehörigen (Eltern, Kinder, Partner) und;
    • unter Vorbehalt des Nießbrauchs oder bei Verzicht auf eine Leibrente zu seinen Gunsten;
  • der Gegenwert einer Lebensversicherung zugunsten eines Dritten (Vertrag mit einer Verfügung zugunsten eines Dritten) stellt bei der Berechnung der Erbschaftsteuer einen Aktivposten des Nachlasses des Verstorbenen dar.

Steuerbefreiungen (Erbschaftsteuer)

Insbesondere folgende Erbschaften sind steuerfrei:

  • alles, was in gerader Linie erlangt wurde:
    • in absteigender Linie (von Eltern oder Großeltern an Kinder, Enkelkinder usw.) oder;
    • in aufsteigender Linie (von Kindern oder Enkelkindern an die Eltern oder Großeltern). Die Befreiung ist jedoch auf den gesetzlichen Anteil der Erbschaft beschränkt;
  • alles, was zwischen Ehe- oder eingetragenen Lebenspartnern erlangt wurde, die keine Kinder, ein oder mehrere Kinder aus ihrer Verbindung oder Nachkommen von Letzteren hinterlassen;
  • alles, was im Nachlass des vorverstorbenen Ehe- oder eingetragenen Lebenspartners an den überlebenden Ehe- oder eingetragenen Lebenspartner übergeht:
    • zu Nießbrauch oder;
    • in Form einer Rente oder regelmäßigen Vergütung;
    • wenn, durch den Tod des Erstverstorbenen, dessen Kinder oder Nachkommen aus einer früheren Ehe oder Lebenspartnerschaft das Eigentum erhalten oder die Zahlung der Rente oder regelmäßigen Vergütung übernommen haben;
  • Erbschaften, deren Wert (nach Abzug der Schulden) 1.250 Euro nicht überschreitet;
  • im Ausland gelegene Immobilien und unter bestimmten Voraussetzungen bewegliche Güter im Ausland.

Damit diese Regelungen auf die Lebenspartner Anwendung finden, muss zum Zeitpunkt des Erbfalls seit mindestens 3 Jahren eine eingetragene Lebenspartnerschaft bestanden haben.

Erbschaftsteuertarife

Die Höhe der Erbschaftsteuer ist abhängig vom Verwandtschaftsgrad zwischen dem Verstorbenen und dem Erben sowie vom Umfang der erhaltenen Güter.

Der Steuertarif wird auf der Grundlage des von jedem Erben erhaltenen Nettoanteils berechnet. Um den anwendbaren Steuertarif zu ermitteln, muss unterschieden werden zwischen:

  • dem gesetzlichen Anteil (den der Erbe auf der Grundlage der gesetzlichen Erbfolge erhält) und;
  • dem nicht gesetzlichen Anteil (den der Erbe aufgrund einer nicht gesetzlichen Verfügung (z. B. Testament) erhält).

Der anwendbare Tarif setzt sich aus einem Basistarif und einem Zuschlag auf diesen Basistarif zusammen.

Basistarif der Erbschaftsteuer
  Basistarif im Rahmen des gesetzlichen Anteils Basistarif auf den nicht gesetzlichen Anteil
In gerader (auf- oder absteigender) Linie 0 % 2,5 % oder 5 %*

Zwischen Ehepartnern mit oder ohne gemeinsame Kinder oder Nachkommen

Zwischen Lebenspartnern, die durch eine Partnerschaftserklärung gebunden sind, die mindestens 3 Jahre vor der Eröffnung des Erbgangs registriert wurde, mit oder ohne gemeinsame Kinder oder Nachkommen
0 % 0 %
Zwischen Geschwistern 6 % 15 %
Zwischen Onkeln/Tanten und Neffen/Nichten 9 % 15 %

Zwischen dem Adoptierenden und dem Adoptivkind (bei einfacher Adoption)

9 % 15 %
Zwischen Großonkeln/-tanten und Großneffen/-nichten 10 % 15 %

Zwischen dem Adoptierenden und den Nachkommen des Adoptivkindes (bei einfacher Adoption)

10 % 15 %
Zwischen allen anderen Personen 15 % 15 %

* Erhält ein Erbe in gerader Linie Anteile, die ihm normalerweise nicht zugestanden hätten, muss er eine Abgabe entrichten von:

  • 2,5 % auf den frei verfügbaren Teil der Erbschaft, der ihm als Vor­aus­ver­mächtnis und über seine Erbquote hinaus vermacht wurde, und;
  • 5 % auf den Überschuss.
Für jeden vor dem 1. Januar 2018 eröffneten Erbgang wird zwischen Ehepartnern oder Lebenspartnern, die durch eine Partnerschaftserklärung gebunden sind, die mindestens 3 Jahre vor der Eröffnung des Erbgangs registriert wurde, ein Basistarif von 5 % angewandt, sofern sie keine gemeinsamen Kinder oder Nachkommen haben.
Zuschlag auf die Basistarife

Die oben angegebenen Basistarife der Erbschaftsteuer werden gemäß folgender Tabelle erhöht, wenn der steuerpflichtige Nettowert des vom Anspruchsberechtigten geerbten Anteils 10.000 Euro überschreitet:

Nettovermögen der Erbschaft
Zuschlag
zwischen 10.000 und 20.000 Euro

1/10

zwischen 20.000 und 30.000 Euro

2/10

zwischen 30.000 und 40.000 Euro

3/10

zwischen 40.000 und 50.000 Euro

4/10

zwischen 50.000 und 75.000 Euro

5/10

zwischen 75.000 und 100.000 Euro

6/10

zwischen 100.000 und 150.000 Euro

7/10

zwischen 150.000 und 200.000 Euro

8/10

zwischen 200.000 und 250.000 Euro

9/10

zwischen 250.000 und 380.000 Euro

12/10

zwischen 380.000 und 500.000 Euro

13/10

zwischen 500.000 und 620.000 Euro

14/10

zwischen 620.000 und 750.000 Euro

15/10

zwischen 750.000 und 870.000 Euro

16/10

zwischen 870.000 und 1.000.000 Euro

17/10

zwischen 1.100.000 und 1.250.000 Euro

18/10

zwischen 1.250.000 und 1.500.000 Euro

19/10

zwischen 1.500.000 und 1.750.000 Euro

20/10

über 1.750.000 Euro

22/10

Beispiel

Der Verstorbene ist ledig und kinderlos, und seine Eltern sind verstorben.

Er hinterlässt sein gesamtes Vermögen seiner einzigen Schwester.

Das Erbe beläuft sich auf insgesamt 550.000 Euro netto. Der anwendbare Basistarif beträgt 6 % mit einem Zuschlag von 14/10, da es sich um eine Erbschaft von 550.000 Euro handelt.

Besteuerungsgrundlage: 550.000 Euro


Berechnung des anwendbaren Tarifs:
• Basistarif = 6 %
• Zuschlag = 14/10 (140 %)
• anwendbarer Tarif = 6 % + (6 % x 1,4) = 14,4 %


Fällige Erbschaftsteuer: 550.000 Euro x 14,4 % = 79.200 Euro

Beispiel

Eine Familie besteht aus 3 ledigen Brüdern ohne Kinder. Der Erblasser (Bruder A) hinterlässt sein gesamtes Vermögen per Testament einem seiner Brüder (Bruder B). Der andere Bruder (Bruder C) geht leer aus.

Die Erbschaft beläuft sich auf 600.000 Euro netto.

Auf Bruder B, dem das gesamte Erbe zugefallen ist, werden die Tarife wie folgt angewandt:

Basistarif:

  • Auf die erste Hälfte, die dem entspricht, was er als gesetzlichen Anteil erhalten hätte (in diesem Fall die Hälfte der Erbschaft), muss der Bruder 6 % Erbschaftsteuer entrichten.
  • Auf den Betrag, der den gesetzlichen Anteil (die andere Hälfte der Erbschaft) überschreitet, muss der Bruder 15 % Erbschaftsteuer entrichten.

Zuschlag:

14/10 (140 %)

Anwendbare Tarife:

  • auf den gesetzlichen Anteil: 6 % + (6 % x 1,4) = 14,4 %
  • auf den Überschuss: 15 % + (15 % x 1,4) = 36 %

Fällige Erbschaftsteuer:

300.000 Euro x 14,4 % = 43.000 Euro

300.000 Euro x 36 % = 108.000 Euro

Die Erbschaftsteuer muss grundsätzlich innerhalb von 6 Wochen ab dem Tag der Zustellung der Zahlungsaufforderung durch die Einregistrierungs-, Domänen- und Mehrwertsteuerverwaltung (AED) entrichtet werden.

Steuer auf den Vermögensübergang von Todes wegen auf in Luxemburg gelegene Immobilien im Falle des Todes eines Erblassers, dessen letzter Wohnsitz nicht in Luxemburg lag

Wenn der letzte Wohnsitz des Erblassers zum Zeitpunkt seines Todes nicht in Luxemburg lag, wird auf die in Luxemburg gelegenen Immobilien bei Übertragungen von Todes wegen dennoch eine Steuer auf den Vermögensübergang von Todes wegen erhoben.

Bei Erbfällen, die nach dem 30. Dezember 2009 erfolgen, wird die Steuer auf den Vermögensübergang von Todes wegen der Erbschaftsteuer gleichgestellt. Was Erbschaftsangelegenheiten (Höhe, Abschläge, Absetzung von Schulden in Verbindung mit Gebäuden usw.) betrifft, erfahren Erben oder Vermächtnisnehmer eines Verstorbenen, der nicht in Luxemburg ansässig war, die gleiche steuerliche Behandlung wie die Erben eines Verstorbenen, der in Luxemburg ansässig war.

Berechnungsgrundlage der Steuer auf den Vermögensübergang von Todes wegen

Die Steuer auf den Vermögensübergang von Todes wegen wird auf den Wert der in Luxemburg gelegenen Immobilien erhoben. Die Berechnungsgrundlage dieser Steuer ist der Verkehrswert der Immobilie am Tag des Ablebens, abzüglich der Schulden, die im Zusammenhang mit der Immobilie bestehen.

Folgende Schulden fallen unter die Passivseite des Nachlasses:

  • Schulden, die durch in Luxemburg gelegene Immobilien gedeckt werden;
  • Schulden, die für den Erwerb, die Modernisierung oder die Erhaltung von in Luxemburg gelegenen Immobilien aufgenommen wurden.

Die übrigen in Luxemburg befindlichen beweglichen Güter (z. B. Bankguthaben) des Erblassers, der seinen Wohnsitz im Ausland hatte, unterliegen keinerlei luxemburgischen Erbschaftsteuer.

Steuerbefreiungen (Steuer auf den Vermögensübergang von Todes wegen)

Insbesondere folgende Erbschaften sind von der Steuer auf den Vermögensübergang von Todes wegen befreit:

  • alles, was in gerader Linie erhalten wurde:
    • in absteigender Linie (von Eltern oder Großeltern an Kinder, Enkelkinder usw.) oder;
    • in aufsteigender Linie (von Kindern oder Enkelkindern an die Eltern oder Großeltern). Die Befreiung ist jedoch auf den gesetzlichen Anteil in gerader Linie beschränkt;
  • alles, was zwischen Ehe- oder eingetragenen Lebenspartnern erlangt wurde, die keine Kinder, ein oder mehrere Kinder aus ihrer Verbindung oder Nachkommen von Letzteren hinterlassen;
  • alles, was im Nachlass des vorverstorbenen Ehe- oder eingetragenen Lebenspartners an den überlebenden Ehe- oder eingetragenen Lebenspartner übergeht:
    • zu Nießbrauch oder;
    • in Form einer Rente oder regelmäßigen Vergütung;
    • wenn, durch den Tod des Erstverstorbenen, dessen Kinder oder Nachkommen aus einer früheren Ehe oder Lebenspartnerschaft das Eigentum erhalten oder die Zahlung der Rente oder regelmäßigen Vergütung übernommen haben;
  • Erbschaften, deren Wert (nach Abzug der Schulden) 1.250 Euro nicht überschreitet.
Damit diese Regelungen auf die Lebenspartner Anwendung finden, muss zum Zeitpunkt des Erbfalls seit mindestens 3 Jahren eine eingetragene Lebenspartnerschaft bestanden haben.

Steuertarife der Steuer auf den Vermögensübergang von Todes wegen

Die Basistarife und die Zuschläge, die auf die Steuer auf den Vermögensübergang von Todes wegen Anwendung finden, sind von nun an identisch mit denen für die Erbschaftsteuer, wie oben angegeben.

Die Steuer auf den Vermögensübergang von Todes wegen muss grundsätzlich innerhalb von 6 Wochen ab dem Tag der Zustellung der Zahlungsaufforderung durch die Einregistrierungs-, Domänen- und Mehrwertsteuerverwaltung (AED) entrichtet werden.

Zuständige Kontaktstellen

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