Die Grundsteuer bezahlen

Alle Gemeinden des Großherzogtums Luxemburg haben das Recht, eine kommunale Steuer (Grundsteuer) auf die bebauten und unbebauten Grundstücke zu erheben, die in ihrer Gemeinde liegen.

Die Grundsteuer bezieht sich auf das Eigentum am Grund und Boden und ist unabhängig von dessen Nutzung (private Wohnzwecke, gewerbliche Nutzung, gemischte Nutzung etc.) sowie unabhängig von der in Anspruch genommenen Finanzierung der Anschaffung (Eigenkapital oder Kredit) zu zahlen. Steuerschuldner der Grundsteuer ist der Eigentümer, der die Immobilie am 1. Januar des Steuerjahres besitzt (nicht der Mieter oder Pächter). Sind mehrere Personen Eigentümer, haften diese gesamtschuldnerisch für die Zahlung. Jedes Jahr wird dem/den Eigentümer(n) ein Grundsteuerbescheid zugestellt, in dem der zu zahlende Betrag und dessen Fälligkeit angegeben sind.

Zielgruppe

Eigentümer von Immobilien und/oder land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücken, die in einer Gemeinde im Großherzogtum Luxemburg gelegen sind, müssen die von der Gemeinde festgesetzte Grundsteuer entrichten.

Wird die Grundsteuer von einem Landwirt, einem gewerbetreibenden Unternehmer oder einer Handelsgesellschaft für eine Immobilie gezahlt, die für landwirtschaftliche oder gewerbliche Zwecke genutzt wird, stellt diese Steuer eine Betriebsausgabe dar, die als sonstige Ausgabe absetzbar ist. Die Grundsteuer mindert die steuerpflichtigen Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft oder die Einkünfte aus Gewerbetrieb, wenn sie im Zusammenhang mit Grundeigentum steht, das zum Betriebsvermögen eines landwirtschaftlichen Betriebs oder eines gewerblichen Unternehmens gehört.

Die Grundsteuer, die auf ein Mietshaus anfällt, das sich im Privatbesitz des Steuerpflichtigen befindet, ist ebenfalls als Werbungskosten absetzbar.

Vorgehensweise und Details

Kriterien für Berechnung der Grundsteuer

Die Kriterien für die Festsetzung des Grundsteuerbetrages sind:

  • der jeder Immobilie von der Steuerverwaltung, Abteilung Gebäudebewertung (Administration des contributions directes, Section des évaluations immobilières) zugeordnete Einheitswert;
  • der anzuwendende Hebesatz der Grundsteuer, der von jeder Gemeinde festgelegt wird;
  • die Art der Immobilie (Einfamilienhaus, land- oder forstwirtschaftliches Grundeigentum, Gewerbebetrieb usw.).

Die folgenden Kriterien haben grundsätzlich keinen Einfluss auf die Höhe der Steuer:

  • die familiäre Situation des Eigentümers (verheiratet, ledig, Anzahl der Kinder);
  • die Einkünfte des Eigentümers;
  • die Person des Eigentümers (Privatperson, gewerbetreibender Unternehmer, Handelsgesellschaft usw.);
  • der Wohnsitz des Eigentümers (in der Gemeinde, wo sich sein Eigentum befindet, in einer anderen Gemeinde im Großherzogtum Luxemburg oder im Ausland).

Ermittlung der Bemessungsgrundlage der Steuer

Grundlage für die Berechnung der Grundsteuer ist die so genannte Bemessungsgrundlage. Sie ergibt sich aus der Multiplikation des Einheitswerts („valeur unitaire“), der jeder Immobilie zugeordnet wird, mit der Steuermesszahl („taux d’assiette“).

Ermittlung des Einheitswertes

Alle bebauten und unbebauten Grundstücke innerhalb des Großherzogtums Luxemburg werden für steuerliche Zwecke bewertet. Die Abteilung Gebäudebewertung der Steuerverwaltung stuft die Immobilien nach deren Zweckbestimmung ein, damit der Einheitswert anschließend gesondert geschätzt werden kann. Die Festsetzung des Einheitswertes wird dem Eigentümer grundsätzlich per Bescheid, d.h. dem Einheitswertbescheid und Grundsteuermessbescheid („Bulletin de la valeur unitaire et de la base d’assiette de l’impôt foncier“), mitgeteilt und gleichzeitig den Steuerbehörden sowie den betreffenden Gemeindebehörden übermittelt. Die Mitteilung erfolgt in dem Jahr, das auf den Erwerb eines bestehenden Gebäudes folgt, oder in dem Jahr, das auf die Fertigstellung eines Neubaus folgt.

Dieser Einheitswert bildet die Bemessungsgrundlage für die Immobilie, welche mit der Steuermesszahl multipliziert wird.

Bei der Festsetzung des Einheitswertes wird zwischen land- und forstwirtschaflichen Flächen und bebautem und unbebautem Grund und Boden unterschieden. Letzteres wird in 6 Kategorien unterteilt:

  • Bauten für gewerbliche Zwecke;
  • Bauten für gemischte Nutzung;
  • Bauten für sonstige Zwecke;
  • Einfamilien- und Mietshäuser;
  • unbebaute Grundstücke, die nicht für den Wohnungsbau bestimmt sind;
  • Bauland für Wohnungsbau.

Bauland für Wohnungen sind zu bebauende Grundstücke, die seit 3 Jahren als Bauland ausgewiesen sind, für die eine Baugenehmigung erteilt werden kann und auf denen noch kein Baubeginn stattgefunden hat. Es ist nicht notwendig, dass der Eigentümer einen Bauantrag stellt. Es reicht aus, dass die Gemeinde das Grundstück zu Bauland für Wohnungen erklärt hat und dass eine Baugenehmigung theoretisch erteilt werden kann.

Jede Gemeinde muss entsprechend der Situation am 1. Januar eine Aufstellung über ihre Grundstücke anfertigen. Sie muss diese Aufstellung bis spätestens 31. Januar des betreffenden Jahres an die Abteilung Gebäudebewertung der Steuerverwaltung übermitteln. Die Aufstellung enthält bestimmte Angaben zum Grund und Boden: die Lage auf dem Gemeindegebiet, die katasteramtliche Bezeichnung, die Fläche, die Bezeichnung des bzw. der Eigentümer(s) und das Datum, ab dem das Grundstück als Bauland für Wohnungen gilt.

Ist ein Grundstück in diese Aufstellung aufgenommen, wird der Einheitswert auf den Stichtag 1. Januar oder gegebenenfalls zum 1. Januar eines Folgejahres festgesetzt. Die Bemessungsgrundlage für die Immobilie entspricht dem Einheitswert multipliziert mit der Steuermesszahl.

Bei Grundstücken, die nicht für den Wohnungsbau bestimmt sind, setzt die Abteilung Gebäudebewertung der Steuerverwaltung den Einheitswert fest. Es wird darauf hingewiesen, dass die festgelegten Werte auf dem Preisniveau des Jahres 1941 beruhen. Der Einheitswert liegt daher unter dem tatsächlichen Wert der Immobilie.

Steuermesszahl ermitteln

Die Steuermesszahl hängt insbesondere von der Art der Immobilie (land- und forstwirtschaftlicher Betrieb, bebautes oder unbebautes Grundstück) und seiner Lage ab. Bei Einfamilienhäusern bewegt sich die Messzahl zwischen 7 Promille (0,7%) und 10 Promille (1%). Bei Bauland für Wohnungsbau beträgt sie während der ersten beiden Jahre der Einstufung in diese Kategorie 15 Promille (1,5%) und ab dem 3. Jahr 100 Promille (10%).

Grundsteuer ermitteln

Die Grundsteuer errechnet sich durch die Multiplikation der Bemessungsgrundlage mit dem Hebesatz der Gemeinde.

Die Gemeinden setzen jedes Jahr den Hebesatz für die Grundsteuer auf land- und forstwirtschaftliche Grundstücke sowie bebaute und unbebaute Grundstücke fest. Die Steuer auf land- und forstwirtschaftliche Grundstücke wird Grundsteuer A, die Steuer auf bebaute und unbebaute Grundstücke Grundsteuer B genannt.

Außerdem können die Gemeinden verschiedene Sätze auf bestimmte oder alle Kategorien bebauter oder unbebauter Grundstücke festlegen. Die Grundsteuer auf die unterschiedlichen Kategorien gestaltet sich wie folgt:

  • B1 auf Bauten für gewerbliche Zwecke;
  • B2 auf Bauten für gemischte Nutzung;
  • B3 auf Bauten für sonstige Zwecke;
  • B4 auf Einfamilien- und Mietshäuser;
  • B5 auf unbebaute Grundstücke, die nicht für den Wohnungsbau bestimmt sind;
  • B6 auf Bauland für Wohnungsbau.

Für das Steuerjahr 2013 lauten die Hebesätze der Stadt Luxemburg beispielsweise:

A

B

B1

B2

B3

B4

B5

B6

500

-

750

500

250

250

500

500

Die Sätze der einzelnen Gemeinden werden (nach großherzoglicher Genehmigung) jedes Jahr im Mémorial B veröffentlicht.

Beispiel: Ein Steuerpflichtiger besitzt seit 1970 ein Einfamilienhaus auf dem Gebiet der Stadt Luxemburg. Der Einheitswert der Immobilie beträgt 4.500 Euro. Die Grundsteuer für 2013 errechnet sich folgendermaßen:

Bemessungsgrundlage: 4.500 Euro x 1 % (Steuermesszahl) = 45 Euro

Grundsteuer: 45 Euro x 250 % (Gemeindehebesatz B4) = 112,50 Euro

Grundsteuer bezahlen

Die Gemeinde, in der die Immobilie liegt, sendet dem Eigentümer der Immobilie jedes Jahr einen Grundsteuerbescheid mit der Angabe des zu zahlenden Betrags und dessen Fälligkeit. Der Eigentümer der Immobilie ist grundsätzlich für die Entrichtung der jährlich zum 1. Januar anfallenden Grundsteuer verantwortlich.

Die Fälligkeitstermine für die Grundsteuer sind grundsätzlich auf den 15. Februar, 15. Mai, 15. August und den 15. November festgelegt. Der zu zahlende Betrag beläuft sich auf ein Viertel der jährlichen Grundsteuer. Davon abweichend ist der Fälligkeitstermin für die jährliche Grundsteuer unter 55 Euro der 15. November bzw. der 15. Mai und 15. November, wenn der jährliche Betrag zwischen 55 Euro und 110 Euro liegt.

Einspruch gegen den Grundsteuerbescheid muss beim Bürgermeister- und Schöffenkollegium (Collège des bourgmestres et échevins) der entsprechenden Gemeinde eingelegt werden. Ein Einspruch gegen die Festsetzung der Bemessungsgrundlage muss dagegen beim Direktor der Finanzverwaltung erhoben werden.

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