Unbezahlten Sonderurlaub zur Fortbildung (Bildungsurlaub) beantragen

Letzte Änderung dieser Seite am 12-09-2012

Der unbezahlte Bildungsurlaub ist eine Form des Sonderurlaubs, die sich an Arbeitnehmer des Privatsektors richtet, um ihnen zu ermöglichen, sich zeitweise von ihren beruflichen Verpflichtungen zu befreien, um während eines bestimmten Zeitraums aus persönlichen Gründen an einer beruflichen Fortbildungsmaßnahme teilzunehmen.

Zielgruppe

Arbeitnehmer aus dem Privatsektor, die seit mindestens 2 Jahren für den gleichen Arbeitnehmer arbeiten, können unabhängig von der Art ihres Arbeitsvertrags in den Genuss des unbezahlten Bildungsurlaubs gelangen.

Voraussetzungen

Um in den Genuss des unbezahlten Bildungsurlaubs zu gelangen, müssen die betreffenden Arbeitnehmer zum Zeitpunkt des Urlaubsantrags seit mindestens 2 Jahren für den gleichen Arbeitgeber arbeiten.

Das Alter und der Wohnsitz des Arbeitnehmers spielen keine Rolle, um in den Genuss des unbezahlten Urlaubs zu gelangen.

Fristen

Die Gesamtdauer des unbezahlten Bildungsurlaubs beträgt maximal 2 Jahre;

  • die Mindestdauer eines Urlaubs beträgt 4 aufeinander folgende Wochen;
  • die Höchstdauer eines Urlaubs beträgt 6 aufeinander folgende Monate.

Die Dauer des Urlaubs wird immer in Wochen oder Monaten ausgedrückt und muss im Verhältnis zu der besagten Fortbildung stehen.

Vorgehensweise und Details

Vorgehensweise zwecks Bewilligung des unbezahlten Bildungsurlaubs

Der Urlaub muss per Einschreiben mit Rückschein oder durch persönliche Übergabe des jeweiligen Schreibens mit Empfangsbestätigung beim Arbeitgeber beantragt werden.

Folgende Vorankündigungsfristen sind vom Antragsteller zu beachten:

  • 2 Monate für einen Urlaub von weniger als 3 Monaten;
  • 4 Monate für einen Urlaub von mehr als 3 Monaten.

Der Antrag muss folgende Angaben enthalten:

  • Art der Fortbildung;
  • Dauer der Fortbildung;
  • Fortbildungseinrichtung;
  • beantragte(r) Urlaubszeitraum/Urlaubszeiträume;
  • Vermerk, dass eine ausbleibende Antwort des Arbeitgebers binnen 30 Tagen als Bewilligung des Antrags gilt.

Antwort des Arbeitgebers

Die Antwort des Arbeitgebers muss innerhalb von 30 Tagen schriftlich und gegen Empfangsbestätigung erfolgen. Eine ausbleibende Antwort gilt als Bewilligung des Antrags bezüglich des 1. beantragten Urlaubszeitraums, wenn mehrere Urlaubszeiträume beantragt wurden.

Der Antrag auf unbezahlten Bildungsurlaub kann entweder:

  • vom Arbeitgeber bewilligt werden. Auf Antrag des Arbeitgebers muss der Arbeitnehmer eine Bescheinigung für die Teilnahme an der Fortbildung, für welche er den unbezahlten Urlaub beantragt hat, vorlegen;
  • vom Arbeitgeber abgelehnt werden, wenn der Antragsteller eine leitende Stelle bekleidet oder wenn in dem jeweiligen Unternehmen weniger als 15 ordentliche Arbeitnehmer beschäftigt sind;
  • vom Arbeitgeber aufgeschoben werden, wobei der Aufschub folgende Zeiträume nicht überschreiten darf:
    • 1 Jahr, sofern der beantragte Urlaub sich über maximal 3 Monate erstreckt;
    • 2 Jahre, sofern der beantragte Urlaub sich über mehr als 3 Monate erstreckt.

Ein solcher Aufschub ist möglich:

  • wenn ein wesentlicher Anteil der Arbeitnehmer einer Abteilung während des beantragten Zeitraums für längere Zeit abwesend ist und dadurch die Betriebsorganisation wesentlich gestört würde;
  • wenn während der Vorankündigungsfrist aufgrund der Besonderheit der vom Antragsteller ausgeübten Arbeit oder einer Arbeitskräfteknappheit in der jeweiligen Branche oder Tätigkeit keine entsprechende Vertretung gefunden werden kann;
  • wenn es sich bei der Tätigkeit um eine saisonbedingte Tätigkeit handelt und der Antrag sich auf eine solche Saison bezieht.

Falls mehrere Anträge auf unbezahlten Urlaub in einer Abteilung oder einem Unternehmen eingereicht wurden und aufgrund dessen nicht allen Anträgen gleichzeitig stattgegeben werden kann, so hat der Antrag desjenigen Arbeitnehmers mit der längsten Betriebszugehörigkeit Vorrang (in Ermangelung einer Einigung zwischen den betreffenden Arbeitnehmern).

Zulässige Fortbildungen

Der unbezahlte Bildungsurlaub wird für Fortbildungen bewilligt:

  • die von den Einrichtungen in Luxemburg oder im Ausland erteilt werden, die das Statut einer öffentlichen oder privaten Schule besitzen (Gymnasium, Universität, Hochschule), die von den öffentlichen Behörden anerkannt sind und von diesen öffentlichen Behörden anerkannte Zeugnisse ausstellen;
  • die sowohl in Luxemburg als auch im Ausland von den Berufskammern, den Gemeinden, den Stiftungen, den vom Ministerium für die Berufsausbildung zugelassenen natürlichen Personen und privatrechtlichen Vereinigungen, den Ministerien oder den öffentlichen Verwaltungen und öffentlich-rechtlichen Anstalten erteilt werden;
  • die in Luxemburg von den in den Bestimmungen aus Artikel 47 des Gesetzes vom 4. September 1990 betreffend die Reform des technischen Sekundarunterrichts und der Berufsausbildung vorgesehenen Einrichtungen erteilt werden und entweder mit einem Diplom oder mit einem Teilnahmeschein abgeschlossen werden.

Unterbrechung des unbezahlten Bildungsurlaubs

Ab dem Zeitpunkt, an dem der Arbeitgeber dem Antrag auf unbezahlten Bildungsurlaub stattgegeben hat, gilt diese Einwilligung unwiderruflich sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber.

Im Falle von höherer Gewalt kann die Einwilligung des Arbeitgebers oder der Antrag des Arbeitnehmers jedoch unter bestimmten Bedingungen zurückgezogen werden:

  • der Arbeitnehmer kann seine Stelle für den ursprünglich für den Urlaub vorgesehenen Zeitraum nur wieder aufnehmen, wenn nicht bereits ein Arbeitnehmer mit einem befristeten Arbeitsvertrag vom Arbeitgeber eingestellt wurde, um den beurlaubten Arbeitnehmer zu vertreten;
  • wenn der Arbeitgeber seine Einwilligung zurückzieht, ist er verpflichtet, den Arbeitnehmer für die bereits entstandenen und nicht erstattungsfähigen Kosten für seine Fortbildung zu entschädigen;
  • sofern der Urlaub bereits begonnen hat, kann der Arbeitnehmer diesen nur mit Einwilligung des Arbeitgebers abbrechen.

Erkrankung des Arbeitnehmers während des Urlaubs

Eine Erkrankung während des unbezahlten Urlaubs berechtigt nicht dazu, die verbleibende Urlaubszeit auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Erstreckt sich die Erkrankung über mehr als 25 % der Urlaubszeit oder tritt ein Fall von höherer Gewalt ein, infolge dessen die Teilnahme an der Fortbildung, für die der Urlaub gewährt wurde, (völlig oder teilweise) unmöglich wird, kann der Arbeitnehmer die Beendigung des Urlaubs beantragen. Der Arbeitgeber gibt diesem Antrag statt, sofern der Wiedereinstieg des Arbeitnehmers vor dem Ende der ursprünglichen Urlaubszeit nicht aus betriebsorganisatorischen Gründen unmöglich ist.

Auswirkungen des unbezahlten Bildungsurlaubs auf den Arbeitsvertrag des Arbeitnehmers

Während der Dauer des unbezahlten Bildungsurlaubs wird der Arbeitsvertrag ausgesetzt (zeitweilige Unterbrechung der Auswirkungen des Arbeitsvertrags), ohne jedoch abgebrochen zu werden. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Stelle des beurlaubten Arbeitnehmers freizuhalten. Letzterer genießt nach seiner Rückkehr sämtliche vor Beginn seines Urlaubs erworbenen Vorteile oder erhält eine ähnliche seinen Qualifikationen entsprechende Stelle mit einer mindestens gleichwertigen Vergütung. Vorbehaltlich gegenteiliger gesetzlicher oder vertraglicher Bestimmungen, wird die vor Beginn des Urlaubs erlangte Betriebszugehörigkeit aufrechterhalten.

Der Arbeitgeber muss seinen Arbeitnehmer persönlich darüber informieren, dass Letzterer sich während der Dauer seines unbezahlten Urlaubs sowohl bezüglich der Kranken- als auch der Rentenversicherung auf Freiwilligenbasis versichern muss.